Eckpunkte einer sozialistischen Kinder-, Jugend, und Bildungspolitikals Politik von und mit Kindern und Jugendlichen

Weltweit haben alle Kinder gemäß UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf ein unversehrtes und glückliches Lehen, ein Recht auf Selbstbestimmung, auf Gleichbehandlung, freie Entfaltung, auf Gesundheit, Spiel, Bildung, Fürsorge und Frieden. Doch selten werden ihnen gegenüber die Rechte eingelöst. Weltweit sterben Kinder an Hunger und infolge von Kriegen, Misshandlungen und Missbrauch. In vielen Ländern müssen Kinder hart arbeiten, besuchen keine Schule. Armut bestimmt ihren Alltag. Es ist eine Frage von Reichtum und Armut, von Herrschaft und Unterdrü­ckung. Der gesellschaftlich hervorgebrachte Reichtum ist vorhanden, aber nur wenige haben Zugang dazu.

In Deutschland müssen Kinder nicht verhungern, aber es gibt eine gravierende soziale Spaltung in Arm und Reich. In keinem Land der Europäischen Union ist die soziale Herkunft des Kindes so entscheidend für seine Entwicklung, für seinen Zugang zur Bildung und damit für seine Zukunftsaussichten wie in Deutschland. In Hamburg geben fast 60.000 Kinder und Jugendliche als arm. Die Zustände, die zu Kinder- und Jugendarmut, Ausgrenzungen und Misshandlung führen, wollen wir gemeinsam verstehen, um sie verändern zu können und eine Alternative selbst hervorzubringen. Wesentlicher Bestandteil einer sozialistischen Kinder-, Jugend- und Bildungspolitik ist die Unterstützung der Entwicklung zu kritischen mündigen Menschen, welche gemeinsam für ihre Interessen und Bedürfnisse eintreten.

Wie diese Vorhaben zu erreichen sind, wollen wir zusammen mit Euch und allen interessierten Professionellen, ehrenamtlich mit Kindern Tätigen, mit Eltern, Verbänden und vor allem mit Kindern und Jugendlichen auf unserer jugendpolitischen Fachtagung entwickeln.

Zusammen mit Frau Panitzsch-Wiebe haben wir in der Vorbereitungsgruppe für die Fachtagung mitgewirkt und halten am Freitag eine Begrüßungsrede.

Programm:

Freitag, 20. Juni 2014
17.-00 Uhr
Grußworte:
Fachschaftsrat Soziale Arbeit, Andreas Scheibner (Landesfachbereichsvorsitzender Bund, Länder und Gemeinden ver.di Hamburg) und Mehmet Yildiz (Abgeordneter der Bürgerschaft und Fachsprecher für Kinder, Jugend und Familie der Fraktion DIE LINKE) sowie Vorstellung der Tagung

Referate:
17:30 Uhr
Prof. Marion Panitzsch-Wiebe (HAW Hamburg): Kinder und Jugendliche im Sog gesellschaftlicher Verwertungsprozesse

18:30 Uhr
Prof. Michael Klundt (Uni Magdeburg) Kinder- und Jugendpolitik als emanziparorische Selbstregulierung. Danach Konzeptvorstellung und Thesen der Arbeitsgruppen als Vorbereitung für die thematischen Arbeitsgruppen am nächsten Tag

Sonnabend, 21. Juni 2014

  • 9:30 Ohr: Vorbereitungsgruppe: Vorstellung der Arbeitsgruppen
  • 10:00 Uhr: Erste Phase: Arbeitsgruppen 1, 3, 5 und 7
  • 14:00 Uhr: Zweite Phase: Arbeitsgruppen 2, 4, 6 und 8
  • 13:00 Uhr: Mittagessen: Internationale Küche mit und ohne Fleisch
  • 17:00 Uhr.

Abschlussplenum
Kommentare der Beobachter/Innen und Vorschläge für die weitere Arbeit. Moderation durch Prof. Sabine Stövesand (HAW Department Soziale Arbeit, ange­fragt) und Leonie Wagner (Verband Offene Kinder und Jugendarbeit).
Danach: Gemeinsamer Ausklang

Kinderhetreuung wird für den Samstag ganztägig angeboten. Anmeldungen dafür bitte per Mail an: veranstaltungen@linksfraktion-hamburg.de

Die Arbeitsgruppen

(1) Eigenständige Kinderechte: Kindergrundsicherung
Obwohl das Grundgesetz verspricht, die Würde eines jeden Menschen zu schützen, gilt das für Kinder und Jugendliche augenscheinlich nicht: Ihre angebliche Unmündigkeit ist ein Relikt aus dem Feudalismus; jedes Kind und jeder Jugendliche muss seine grundrechtlich geschützte Eigenständigkeit in einer eigenständigen Grundsicherung realisieren können. W’ir wollen über ein Bündnis gegen Kinder- und Jugendarmut für Hamburg beraten.

Input:
N.N. (AGFW),
Peter Meyer (ver.di FG SKJ) und
Kolja Fuchslocher (Mitarbeiter Fraktion DIE LINKE im Bundestag)

(2) Eigenständige Kinderrechte: selbstbestimmte Partizipation
Die Spielwiesen von Kinderparlamenten und Schüler-Mitbestimmung verhindern eher eine wirkliche Partizipation, als sie sie ermöglichen. Kinder und Jugendliche müssen ihre eigenen Räume wirklich selbst gestalten können — dazu braucht es selbstverwaltete und angemessene Mittel, über die sie allein oder zusammen mit unterstützenden Erwachsenen frei verfügen können.

Input:
Werner Brayer (Kinder- und Familienzentrum Schnelsen) und
Mehmet Yildiz (Abgeordneter der Bürgerschaft Fraktion DIE LINKE)

(3) Für ein« Bildung, die Spaß macht und eine Schule, die bildet
Bildung und soziale Selektion sind Widersprüche. Diese werden auch nicht durch die Ausdehnung der Selektionsschule auf den ganzen Tag aufgehoben, sondern nur durch die Abschaffung der Selektion. Schüler/innen müssen mit eigenen Rechten an der Gestaltung des Unterrichts beteiligt werden. Eine Schule für alle, die jeder und jedem Spaß macht, ist möglich.

Input:
Holger Butt (Lehrer an der Reformschule/Stadtteilschule Winterhude)

(4) Für eine Kita, die für alle da ist. gegen eine Verschulung der Kindheit
Der Ausbau einer Tagesbeireuung, die hauptsächlich damit begründet wird, dass Frauen als Arbeitskräfte besser auf den Markt kommen, macht die Entwer­tung von Kindern besonders deutlich. Eine Kita hingegen, die ihre zeitliche und räumliche Gestal­tung an den Fähigkeiten und Intetessen der Kinder ausrichtet, ist möglich und unterstützt auch die Eltetn und Erzieherinnen. Wir wollen qualitativ gut ausgestattete Ganztagsplätze für alle Kinder beitrags­frei, durch Steuern finanziert.

Input:
Sabine Kümmerle (GF SOAL)

(5) Das Anti-Gewaltprogramm des Hamburger Senats: Gewalt gegen Kinder und Jugendliche?
Um von der Tatsache abzulenken, dass immer noch Jugendliche von Schule und Ausbildung ausgegrenzt werden, kriminalisiert das 10-Säulen-Programm des Hamburger Senats gegen Jugendgewalt eben diese Jugendlichen. Dieses Programm ist ein Beispiel für die derzeitige generalpräventive, kontroll- und sanktionsorientierte Jugendpolitik. Daher sollte es ersatzlos gestrichen und die Mittel dazu den jugendlichen Szenen und Cliquen zur eigenen Verfugung gestellt werden.

Input:
Timm Kunstreich (AKS und Zeitschrift Widersprüche)

(6) Antifa, Occupy, Rote Flora und Schülerinnenstreik: Jugend In Bewegung(en)
Zu allen Zeiten gab es soziale Bewegungen, in denen Kinder und Jugendliche eine besondere Rolle gespielt haben bzw. spielen. Antifa-Gruppen, Occupy, Rote Flora, aber auch die Jugendorganisationen der Gewerkschaften und Parteien können in der Schaffung von alternativen Freiräumen als Vorschein einer neuen Gesellschaft die alte Gesellschaft in Bewegung bringen.

Input:
Leonie Meliones (SOLID Hamburg und Schulstreikbündnis),
N.N. (DIDF Jugend),
N.N. (SJD Die Falken), und
N.N. (Bündnis gegen Rechts/angefragt)

(7) Kinder und Jugendliche haben viele Geschlechter und Kulturen
Kinder und Jugendliche haben 100 Geschlechter und 1000 Kulturen – die hegemoniale Ordnung will ihnen weismachen, dass es nur zwei Geschlechter und eine einzige Kultur gibt. Die sozialen Orte der Kindheit und Jugend sind dagegen immer zugleich Experimentalräume für geschlechtliche und kulturelle Alternativen.

Input:
Marion Panitzsch-Wiehe (Prof. HAW Hamburg)

(8) Gegen Konsumterror – für eine Kultur des Genusses
Die größte Macht, die Kindern und Jugendlichen zugebilligt wird, ist ihre Macht als Konsumenten. Aber statt vielfältiger Sinnlichkeit und gemeinschaftlichen Genusses dominieren Konsumterror und Drogensucht. Auch hier geht es um die Schaffung eigensinniger und eigenständiger sozialer Räume, in denen ein „normaler“ Umgang mit Genussmitteln geübt werden kann.

Input:
Bettina PauJ (Uni Hamburg) und
N.N. (SOLID Hamburg)

Weltoffen statt betriebswirtschaftlich!

Demonstration für ein neues Hochschulgesetz

Das geltende Hochschulgesetz – verantwortet vom CDU/FDP/Schill-Senat im Jahr 2003 – ist undemokratisch, politisch falsch, gesellschaftlich schädlich und juristisch verfassungswidrig. Ein konsequenter Bruch mit dieser Politik ist notwendig:
Demokratie statt Hierarchie, rationale und kooperative Entscheidungsprozesse statt Marktmechanismen und solidarisches Lernen statt restriktives Pauken.
Mit dem vorliegenden Entwurf für die Neufassung des Hamburgischen Hochschulgesetzes wird dieser Bruch nicht vollzogen. Der Entwurf muß daher weitreichend verändert werden.

Die Notwendigkeit dieser Orientierung demokratischer Wissenschaft in gesellschaftlicher
Verantwortung ist im Gesetzgebungsprozess in zahlreichen Stellungnahmen, bei dem
„Workshop“ der Behörde und bei der öffentlichen sowie der Expertenanhörung von Hochschulgremien, Personal- und Studierendenvertretungen sowie vom DGB zum Ausdruck gebracht worden. Nun gilt es, ihr mit Nachdruck zum Durchbruch zur verhelfen. Deswegen
wollen wir gemeinsam mit anderen Hamburger Hochschulen, Gewerkschaften und anderen Interessierten zu der Sitzung des Wissenschaftsausschuss, der final über das Gesetz beraten wird, eine Demonstration machen.

Der AStA der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, das Studierendenparlament der Universität Hamburg und weitere rufen dafür unter dem Motto:
Weltoffen statt betriebswirtschaftlich

zur Demonstration für ein neues Hochschulgesetz auf.

Auftakt ist am Donnerstag, den 15. Mai 2014, um 15 Uhr
vor dem Hauptgebäude der Universität Hamburg (Edmund-Siemers-Allee 1)

Im Anschluß tagt um 17 Uhr der Wissenschaftsausschuß der Bürgerschaft zur Auswertung der Experten- und der Öffentlichen Anhörung zum Hochschulgesetz im Rathaus. Die Sitzung ist öffentlich und sollte gut besucht sein, damit die notwendigen Konsequenzen aus der in beiden Anhörungen geäußerten und begründeten Kritik gezogen werden.

Projektwoche SoSe 14

Nächste Woche findet das dritte mal die Projektwoche der Sozialen Arbeit statt. Eine Woche im Semester können wir entgegen dem sonstigen eher ärgerlichen Bachelor – Master – Studienalltag Veranstaltungen, Diskussionen, Exkursionen etc., die im momentanen Seminarbetrieb keinen Platz haben, selbst organisieren. Als FSR haben wir in den letzten Projektwochen besonders diesen emanzipatorischen Charakter versucht zu erweitern, in der Perspektive, das Studium so zu gestalten, das selbstbestimmtes, kooperatives Lernen, in kritischem Gesellschaftsbezug möglich wird. Auch dieses Mal sollen unsere Veranstaltungen ein Beitrag dazu sein, Bestehendes kritisch zu hinterfragen:


Erkenne dich selbst, statt verwerte dich selbst
 „Wenn Sie sich waschen und rasieren,  dann finden Sie auch einen Job.“
(Kurt Beck, damals Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Parteivorsitzender der SPD, 2006)

Der Mensch ist ein soziales Kulturwesen und auf grenzen- und vorurteilslose Zusammenarbeit angewiesen, um sich individuell und kollektiv als Mensch zu entwickeln. Eine Tatsache, die von hartnäckigen „Marktgläubigen“ bis heute bestritten wird: Das uneingeschränkte Bekenntnis zu Markt und Wettbewerb gehört zu den Normen dieser Gesellschaft.
In diesem Sinne sollen wir unser Dasein unternehmerisch verstehen, unserer persönlichen Lebensweise unternehmerische Formen geben ( die „Ich-AG“, Ratgeberliteratur informiert, wie man sich gut verkauft, Yoga hilft dabei entspannt zu bleiben). Alle sollen die Voraussetzung des Handel-Treibens zur Aufnahme in die Gesellschaft bejahen, die Erfolgreichen ebenso wie die Verlierer (so sollen „die Verlierer“, etwa nach einem sogenannten „Burn-out“ sich selbst verachten, Armut und Arbeitslosigkeit seien der eigene Fehler). Dabei erfolgreich zu sein heißt, sich gegen andere durchzusetzen – die Schwächeren bleiben auf der Strecke – als Prinzip dieses Wirtschaftssystems. Kosten sind zu minimieren, was nichts einbringt (Langzeitarbeitslose beispielsweise bieten mit ihrer Arbeitskraft offenbar eine Ware an, die niemand kaufen will), ist nutzlos und wird ausgesondert.
Eine solch ökonomisch strukturierte Gesellschaft ist der Nährboden für Menschenfeindlichkeit. Denn die Schonungslosigkeit des Wettbewerbs auf dem „totalen Markt“ samt seiner Kosten-Nutzen-Abwägung legt es nahe, alles dafür Nutzlose zu verachten.
Ein gesellschaftliches Einverständnis damit, wird auch und besonders an den Bildungseinrichtungen reproduziert: In der Unternehmerischen Hochschule soll Bildung und Wissenschaft zur ökonomischen Verwertung zugerichtet werden, Studierende sollen in ihr Humankapital investieren, „Menschenmaterial“ soll möglichst schnell und kostengünstig produziert werden. Bildung und Wissenschaft zur Optimierung der (Selbst-)Ausbeutung und Steigerung von Profiten?

Dagegen wollen wir uns die Bedingungen dieser Denkweise genauer aneignen, um eine Perspektive für Veränderungen zu entwickeln. Die Aufgabe besteht darin, vom „verachteten Objekt“ zum handelnden Subjekt zu werden: also dass wir, die bescheiden gemacht werden sollen, uns bewusster anmaßen, gemeinsam Geschichte zu schreiben und unsere Ansprüche an eine solidarische Entwicklung der Welt zur Geltung zu bringen.
Diese Veranstaltungen seien ein Beitrag dazu.

Mittwoch, 14.05., 14:00 – 16:00 Uhr, Versammlungsstätte
Homo oeconomicus!? Zum Menschenbild im Neoliberalismus
Vortrag und Diskussion mit PD Dr. Ralf Ptak (KDA Nord und Universität Köln)

Gerne wird von Seiten der Betriebswirtschaft das Modell des sogenannten Homo oeconomicus bemüht. Verstanden wird darunter ein Individuum, welches sich bei vollständiger Information über seine Umwelt stets rational in seinem Handeln für die Mehrung des eigenen Nutzens entscheidet. Damit wird das Verhalten dieser Individuen als mechanisch und durch die Umwelt vorherbestimmt betrachtet. Alles soll auf die Nutzenmaximierung des Einzelnen gerichtet sein – Egoismus und Konkurrenz seien naturgegeben. Dass sich dem gegenüber Menschen als gesellschaftliche Akteure für die Verbesserung der Lebensbedingungen aller einsetzen, soll dabei verschwiegen werden.
Ein Verständnis dieses Menschenbildes wollen wir uns gemeinsam aneignen, um deutlich zu machen, wem es nützt und was ihm für eine wirklich menschliche Haltung entgegenzusetzen ist. Auf dieser Basis lassen sich Wirtschafts- und Bildungsprozesse neu bewerten. Dies ermöglicht sich erweitert für die aktive Mitgestaltung einer erfreulichen Perspektive für alle zu entscheiden.

Mittwoch, 14.05., 18:00 Uhr, Kontrabar (R 0.15)
Antifaschistischer Kulturabend: So wird Geld verdient und so verändert es die Menschen
Politische Lesung und Diskussion mit Rolf Becker (Schauspieler)

Wenn vom Geld die Rede ist, so sei es meist nicht da: Für Löhne, Steuern, Gesundheitseinrichtungen, Kindergärten, Schulen, Jugendhäuser, öffentliche Bibliotheken, ebenso Schwimmbäder, Parks, Hochschulen, Theater, Museen, Schienen, Straßen und Gehwege – für die Pflege der gesellschaftlichen Kultur. Doch wo steckt das Geld und wie wird es gemacht?
Rolf Becker vollzieht in seiner Lesung die Entstehung des Geldes bis zum Kapital und seiner Profitlogik und die verändernde Auswirkungen auf den Menschen nach. Die Autoren, auf welche er in seiner Lesung zurückgreift, zeichnen diese Entwicklung in den letzten vergangen 2000 Jahren nach, vom Mittelalter bis hin zur Neuzeit. Schon vor hunderten von Jahren hatten sich beispielsweise in der Türkei die Einheimischen gegen die Pacht- und Steuerforderungen der römischen Grundbesitzer erhoben, die viele Wohlhabende in den Ruin getrieben hatte. Rosa Luxemburg zeigt den Zusammenhang zwischen Armut und abhängiger Arbeit auf.
Aus der Geschichte lässt sich für heute lernen.

Montag, 12.05., 16:30 – 18:30 Uhr, Versammlungsstätte
Das Asylrecht: Humanitärer Schild vor politischer Verfolgung oder eine außenpolitische Waffe mit eingebautem Numerus Clausus?
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Albert Krölls

In seinem Buch „Das Grundgesetz – ein Grund zum Feiern?“ leitet Albert Krölls unter anderem grundsätzlichen zum bürgerlichen Staat und den darin verordneten Herrschaftsverhältnissen die Frage nach der „Konstitution des deutschen Staatsvolks“, der „Ausländerfrage“ und dem „Asylrecht“ ab. In dieser Ableitung – also der Erklärung einer Sache – wird deutlich welchen Zweck die Asyl- und Ausläder_innenpolitik für das bestehende System leistet. In diesem Tonus soll diese Veranstaltung beitragen einen ersten Anlauf zum Nachvollziehen zu wagen und in die Diskussion zu treten.

Im Anschluss um 19 Uhr in der Kontrabar (R 0.15):
Dokumentarfilm „Lampedusa auf St. Pauli“ mit anschließender Diskussion.

Mittwoch, 14.05., 10:00 – 13:00 Uhr, Kontrabar (R 0.15)
Das gemeinsame Belegen – Eine Alternative zum Zuteilungsverfahren
AG Zuteilungsverfahren

Während der letzten Projektwoche wurde über das momentane Zuteilungsverfahren und mögliche Alternativen diskutiert. Wir hatten eine Studentin der Alice Salomon Hochschule Berlin zu Besuch, die uns die dortige Seminarbelegung, das sogenannte „gemeinsame Belegen“ vorgestellt hat.

In der jetzigen Projektwoche wollen wir nun einen Schritt weiter gehen, also die Ideen konkretisieren und wenn möglich, auf Grundlage der Diskussionen und an das „gemeinsame Belegen“ angelehnt, ein für unser Department passendes System entwickeln. Damit alle einsteigen können, wird eine Zusammenfassung des „gemeinsamen Belegens“ erstellt und bald zur Verfügung gestellt.
    
Donnerstag, 15.05., 13:00 – 15:00 Uhr, R 4.08
Armut von KindernAuswirkung auf das pädagogische Handeln
Vortrag und Diskussion mit Prof. Harald Ansen und  Prof. Ulrike Voigtsberger

In diesem Workshop geht es um relative Armut von Kindern in Hamburg und deren Auswirkung dessen auf das Handeln im pädagogischen Alltag: Kita, Schule etc.
Unter anderem wollen wir uns im Workshop mit den Fragen: „Was macht das mit mir? Wie stehe ich dazu?“ beschäftigen.

Donnerstag, 15.05., ab 18:00 Uhr, R 0.15
Kneipenabend in der Kontrabar

Freitag, 16.05., 12:00 – j15:00 Uhr, Kontrabar (R 0.15)
Hochschulcafé – Lernen und Lehren an der HAW

Wie nehmen Studierende das Lernen, das Studieren an der HAW wahr? Welche Probleme gibt es? Wie geht es eigentlich Professor_innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen mit dem Lehren an der HAW? Überlastung? Zufriedenheit? Sind die Probleme von Studierenden und Lehrenden ähnlich? Wo gibt es Unterschiede? Und warum wird eigentlich so wenig kommuniziert?
Um diese und ähnliche Fragen soll es bei dem Hochschulcafé zum Thema „Lehren und Lernen an der HAW“ gehen! Wir laden Studierende, Professor_innen und wissenschaftliche Mitarbeiter_innen herzlich ein, sich bei Kaffee und Snacks über Fragen des Studienalltags, der Studienbedingungen und den gemeinsamen Umgang damit auszutauschen.

Reformierung des Hamburger Hochschulgesetzes

2001 hat das Bundesverfassungsgericht den hochschulgesetzlich eingeführten Managementstrukturen die verfassungswidrige Entmündigung von WissenschaftlerInnen bescheinigt, voraufhin erst im Sommer letzten Jahres der politische Senat einen Entwurf für die Überarbeitung des Hamburgischen Hochschulgesetzes (HmbHG) vorgelegt hat, welcher die zukünftige Hochschulentwicklung bestimmen soll.

Dem Gesetzentwurf fehlt es bisher an einer kohärente Konzeption für die weitere Entwicklung von Bildung und Wissenschaft: Die Unternehmerische Hochschule soll entgegen einer demokratischen Gruppenhochschule immer noch Vorbild der Struktur bleiben.

Der Gesetzesentwurf muss nun weiter in der Bürgerschaft überarbeitet werden. Nach bisherigem Zeitplan soll das neue Gesetz im Juli 2014 verabschiedet werden. Bis dahin soll eine Expertenanhörung und eine öffentliche Anhörung dazu stattfinden, in denen wir als Mitglieder der Hochschulen für die Zukunft von Wissenschaft und Forschung kritisch eingreifen müssen, um eine wirkliche Redemokratisierung und Studienreform durchzusetzen.

Kommt alle zur Vollversammlung und zur Öffentlichen Anhörung:

Vollversammlung
am 25.4.2014, um 14 Uhr, in der Aula Berliner Tor 21

im Anschluss gehen wir gemeinsam zur:
Öffentliche Anhörung des Wissenschaftsausschuss
am 25.4.2014, um 17 Uhr, in der Patriotischen Gesellschaft, Trostbrücke 6, Reimarus – Saal

Wenn ihr zur gleichen Zeit Seminare habt, könnt ihr fragen, ob das Seminar gemeinsam zur Versammlung gehen will. Wir bemühen uns um Absprachen, dass keiner Nachteile wegen der Teilnahme an der VV erhält.

Wortprotokoll der Öffentlichen Anhörung des Wissenschaftsausschusses am 25. April 2014 zur Änderung des Hochschulgesetzes

Wortprotokoll der Expertenanhörung des Wissenschaftsausschusses am 15. April 2014

Studium als Bravheitsprüfung – Kritischer Praxisbezug oder praxiskonform? Ein Beispiel

Wann: 01.04.14, 16 Uhr,
Wo: Berliner Tor 7, Raum 360

„Das Bewusstsein unserer Polizei, die Wissenschaftsfreiheit des Grundgesetzes zu achten, wurde ebenso geschärft wie die Bereitschaft der Wissenschaft, die fachlich-praktischen Belange der Polizei als alleinigem Arbeitgeber der Bachelorabsolventen sehr ernst zu nehmen.“
Michael Neumann, Gründungsfestakt der Akademie der Polizei Hamburg, 14.10.2013

„Es ist nicht die Aufgabe des Bildungssystems, der Wirtschaft Arbeitskräfte zuzuführen. Dabei werden Nutzen und Sinn verwechselt. Eine solche Gesellschaft würde kulturell versteppen.“
Richard David Precht, „Schnelle Geschäfte, miese Moral“, im Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“, 28.11.2010

Die Wissenschaftsfreiheit wurde 1949 aus der Erfahrung zweier Weltkriege im Grundgesetz (Art. 5) verankert. Die Hochschulen erhielten damit den bis heute geltenden Auftrag mit dafür Sorge zu tragen, dass „nie wieder Faschismus“ und „nie wieder Krieg“ für alle Zeiten Geltung haben.
Im Streit, ob sich dafür das Bildungssystem strikt an den Anforderungen der Arbeitgeber orientieren oder die allseitige Bildung mündiger Menschen im Zentrum stehen soll, wird Praxiskonformität zwar vielfach als unwissenschaftlich, aufreibend und qualifikationszerstörend erkannt und kritisiert, aber als scheinbar notwendiges Übel hingenommen.
Gleichzeitig wird immer unabweisbarer, dass gerade die Akzeptanz von Übeln dieser Art Teil der Zivilisationskrise ist und durch eine engagiert humanistische Praxis in Wissenschaft und Gesellschaft ersetzt werden muss.
Trotzdem sollen diese Vorhaben seit einigen Jahren stärker behindert werden: Die inzwischen weggekämpften Studiengebühren waren auf soziale Selektion und die Einengung der Studierenden durch die finanzielle Daumenschraube gerichtet.
Dagegen war und ist weiterhin die vertiefte Auseinandersetzung mit den großen Widersprüchen unserer Zeit, z.B. zwischen privatem Reichtum und öffentlicher Armut, technologischem Fortschritt und der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen oder Frieden und Militarisierung notwendig.
Auch das weiterhin stark reformbedürftige Bachelor-/Mastersystem mit seinem engen Korsett von Fristen, Prüfungen und inhaltlichen Vorgaben soll alle durch verschärfte Konkurrenz und Bravheitsverordnungen daran hindern kritische Erkenntnisse solidarisch zu verallgemeinern.
Doch kritische Reflektion und Weiterentwicklung der Praxis ist stattdessen für eine erfreuliche Zukunft unverzichtbar.
Ist vor diesem Hintergrund Praxiskonformität weiter vonnöten oder sollen wir uns mehr einem kritischen Praxisbezug widmen? Wie lässt sich dieser Streit an einem zugespitzten Fall des studentischen Bravsein-müssens wie einem Studium an einer Hochschule der Polizei besser verstehen? Diese und andere Fragen wollen wir mit euch versuchen zu klären.
Ihr seid/Sie sind alle eingeladen, mit zu diskutieren.

Diskussionsveranstaltung mit
Thomas Wüppesahl, Bundessprecher BAG Kritische Polizisten, Ex-MdB, Ex-Fachbereichssprecher der Hochschule für Polizei Hamburg und
Prof. em. Karl-Georg Schreiner, Politologe, 20 Jahre Professor für Staatsrecht an der Hochschule für Polizei Hamburg

bei Fragen wendet euch an: Eric.Recke@asta.haw-hamburg.de

Projektwoche WiSe 14/15

Ene mene muhund raus bist du!?

Gesellschaft und Wirtschaft sind in der Krise: Die Produktivität der Arbeit und damit der gesellschaftliche Reichtum steigt, gleichzeitig nimmt die Armut zu. Menschenwürdige Arbeit, soziale Sicherheit, Frieden und Völkerverständigung sowie demo­kratische Teilhabe – für alle ohne Ausnahme – ist schon lange objektiv möglich. Damit gerät der Kapitalismus zunehmend in Legitimationsnöte: der „freie Markt“ und seine „unsichtbare Hand“ verlieren stetig an Überzeugungskraft.
Statt Konkurenz, Wettbewerb und Markt wird eine Kultur der Kooperation und Solidarität von immer mehr Menschen neu befürwortet und realisiert. Diese humane Perspektive liegt in der Abkehr von der Vorstellung, dass der Mensch nur ein Spielball der Herrschenden und der „Umstände“ sei und auf die vorgefundenen Verhältnissse lediglich mit Anpassung reagiert. Dagegen ist der Mensch ein soziales Kulturwesen und auf grenzen- und vorurteilslose Zusammenarbeit angewiesen, um sich individuell und kollektiv als Mensch zu entwickeln und seine Potentiale zu entfalten. Die Solidarisierung mit den Lampedusa-Flüchtlingen, das Engagement des „Bündnis gegen Rotstift“ zur Überwindung der Schulden­bremse und der Widerstand der Hochschulmitglieder und Gewerkschaften gegen die Ökonomi­sierung und für die Demokratisierung der Hochschulen hin zu Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung sind aktueller Ausdruck dieser Orientierung.

Von herrschender Seite wird jedoch noch verbissen daran festgehalten den Status Quo zu ver­tei­digen: Die lohnarbeitenden Menschen sollen von ihren eigentlichen Entwicklungmöglichkeiten  absehen und stattdessen weiter für Profitinteressen der Konzerne und des nationalen „Wirtschaftsstandortes“ gegeneinander konkurrieren.
Durch Mythen- und Ideologiebildung versuchen dienstbare JournalistInnen, Wissen­schaft­lerInnen, Pfaffen, EdoterikerInnen, PolitikerInnen und selbsternannte Kulturschaffende trotz des Widerspruches zwischen Reichtum und Armut das uneingeschränkte Bekenntnis aller zu Markt und Wettbewerb als Normen dieser Gesell­schaft weiter durchzusetzen.

Wer nicht mitmacht und kein „Selbstunternehmer“ sein will, soll als schwach, Verlierer, „Sozialschmarotzer“ gelten und – so etikettiert – als Mahnung an die zukünftigen Leitungsträger dienen, hübsch brav zu sein. Darin werden jegliche Ursachen sozialer Ungleichheit als natürlich  und als von der individuellen „Leistung“ auf dem Markt abhängig dargestellt.
Dies ist der gemeinsame Nenner des „Weiter so!“ der etablierten Parteien, von Bildungspolitik, über Hartz IV und Flüchtlingspolitik bis zur „Schuldenbremse“. Für eine Politik, in der der Maßstab der Mensch und nicht der Profit ist, bedarf es eines dringenden kulturellen und politischen Wandels-gerichtet auf Aufklärung, Egalität und Solidarität zwischen allen Menschen.

Dafür kommt es darauf an, dass wir, die bescheiden gemacht werden sollen, uns bewusster beimessen unsere Angelegenheiten in die eigenen Hände zu nehmen und unsere Ansprüche an eine humane Entwicklung der Welt zur Geltung bringen – also gemeinsam Geschichte schreiben. Bedeutsam und erfreulich ist vom verachteten Objekt zum handelnden Subjekt zu werden: Gerade aus den Hochschulen und im besonderen aus der Sozialen Arbeit heraus können und müssen wir wissenschaftlich dazu beitragen.

Votrag und Diskussion mit Timm Kunstreich
(Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit)
und Helga Hirsch (Arbeitskreis Kinder- und Jugendpolitik)
Zeit: Mittwoch, 26.11. um 17:30 – 19:30 Uhr
Ort: Alexanderstraße 1, Versammlungsstätte
Soziale Arbeit zwischen Zurichtung und Emanzipation

Die Krise der Gesellschaft ist auch die Krise der Sozialen Arbeit.  Auf der einen Seite hat sie die Möglichkeit gesellschaftlicher Motor für die Überwindung der sozialer Ungleichheit und von Ausgrenzung zu sein. Auf der anderen Seite wird sie für die Festigung der gesellschaftlichen Strukturen instrumentalisiert, welche konstituierend für diese menschenfeindliche Zustände sind (Aktivierender Sozialstaat, Propagierung der Eigenverantwortung). Die darin liegende Tendenz, das Soziale (und damit den Menschen) nur noch unter dem Aspekt der ökonomischen Verwertbarkeit zu fassen, ist ein Angriff auf die Würde des Menschen und muss von uns scharf zurückgewisen werden. Stattdessen muss die Verwirklichung der Würde des Menschen wieder unser gemeinsamer Maßstab werden.

Die Soziale Arbeit soll dagegen aktuell die Funktion haben, auf die wesentlichen Symptome der gesellschaftlichen Widersprüche zu reagieren und die sogenannten „sozial Schwachen“ dazu zurichten, sich wieder funktionsfähig in die Reihe einzugliedern. Da dies so nicht mehr ohne Weiteres funktioniert, wird zum Aufrechterhalten der Ordnung ein Netz von Ideologie, Kontrolle, Belohnen und Strafen gestrickt. Deutlich wird dies z.B. an dem seit 2007 in der Hamburg geltenden Handlungskonzept gegen Jugendgewalt, welches von der Innenbehörde entwickelt wurde. Ordnungspolitisch motiviert, strafrechtsfixiert und polizeizentriert wird darin (in Ignoranz des Standes der wissenschaftlichen Diskussion) Gewalt als Verhaltensproblem einzelner Jugend­licher behandelt, welche als auf Persönlichkeitsdefiziten bzw. -störungen beruhend identi­fiziert wird.
Die in den gesellschaftlichen Strukturen eingebetteten Misstände sollen dabei ausgeblendet und verschleiert werden: Was haben die Selektions- und Konkurrenzmechanismen unserer Gesellschaft z.B. mit Gewalttaten zu tun? Wenn etwa gewaltätige Auseinandersetzungen in Schulen ein Ausdruck so artikulierten Widerstandes der Kinder und Jugendlichen gegen die strukturelle Gewalt im Bildungssystem ist, wird mit dem Brechen und Deckeln dieses Wider­standes diese strukturelle Gewalt gefestigt, indem sie störungsärmer gemacht wird. Stattdessen sollte Soziale Arbeit darin unterstützen, diesen Widerstand gesellschaftlich so zu artikulieren, dass er sich nicht in Gewalttaten gegen Mitmenschen richtet, sondern die bestehen­den schulischen Selektions- und Konkurenzverhältnisse thematisiert – also statt der Beihilfe zum reibungslosen Funktionieren darauf gerichtet sein, den Reibungen auf den Grund zu gehen und sie zu überwinden.
 
An vielen Stellen wird diese Zurichtung der Sozialen Arbeit zum verlängerten Arm von „Law und Order“-Politik schon zurückgewiesen: die Schließung der Hasenburg, sowie der Streit in der Sozialwissenschaft über die Punitivität nicht nur in der Kinder- und Jugendhilfe sind dabei nur einige Beispiele. Für eine progressive Wendung der Sozialen Arbeit ist die Entwicklung einer emanzipatorischen Orientierung in Studium, Wissenschaft und Praxis erforderlich.
Vor diesem Hintergrund wollen wir uns zusammen mit Timm Kunstreich und Helga Hirsch ein Verständnis der Funktion von Kontrolle und Punitivität in der Sozialen Arbeit aneignen und uns  ein Bild davon machen, wie dagegen ein kritisches und vor allem emanzi­patorisches Wirken der sozialarbeiterischen Praxis zu entwickeln ist.

Vortrag und Diskussion mit Michael Klundt
(HS Magdeburg, Bund demokratischer WissenschaftlerInnen)
Zeit: Donnerstag, 27.11. um 19:00 – 21:00 Uhr
Ort: Alexanderstraße 1, Kontrabar (Raum 0.15)
Menschenwürdige Arbeit für Alle
Für die Abschaffung von Hartz IV!

Ein Leben in gemeinsamer sozialer, kultureller und politischer Tätigkeit in Einheit mit sinnvoller und produktiver Arbeit für alle zu realiseren, ist objektiv möglich und für alle erfreulich. In der aktueller Lage wird der Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe am sozialen, kulturellen und politischen Leben dagegen vorrangig über den Markt im Wettbewerb aller gegen alle vergeben. Wem es nicht gelingt, sich in der Konkurrenz durch­zusetzen, weil etwa seine Ware Arbeitskraft nicht nachgefragt wird, der sei entsprechend aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Die Drohung dieses gesellschaftlichen Ausschlusses richtet sich dabei gleichermaßen gegen Arbeitslose, wie gegen Menschen mit Arbeit: Sie sollen ihre Ansprüche an gute und schöpferische Arbeit senken.

Der offensichtliche Widerspruch zwischen dem erarbeiteten Reichtum und der zunehmenden Armut kann nur durch strukturelle Gewalt, wie sie mit dem Hartz-IV-System praktiziert wird, und mit einer ideologischen Legitimation aufrechterhalten werden. Dafür wird politisch wie medial das Feindbild vom „Sozialschmarotzer“, der faul und dekadent auf auf Kosten der Allgemeinheit lebe, verbreitet.

So sagte H. Maucher (damals Verwaltungsratsvorsitzender bei Nestlé, 1997):
„Unsere Arbeitslosen werden relativ gut bezahlt. Und wir wissen, daß mit Prosperität [Wohlstand] auch – und das ist ein hartes Wort – ein gewisser „Wohlstandsmüll“ entsteht: Leute, die saufen, Drogen nehmen, sich abgemeldet haben. Für Menschen, die wirklich arbeiten wollen, gibt es immer noch Arbeit.“
Dabei wird suggeriert Armut und Arbeitslosigkeit seien auf das eigene Versagen zurückzuführen. Den so sozial Deklassierten werden die sogenannten Leistungs­träger, die sich durch Willens­stärke, Fleiß, Leistungsbereitschaft und Eigenverant­wortung aus­zeichnen, gegenübergestellt. Erstere werden öffentlich regelmäßig bloßgestellt und diffamiert.

Die wirklichen Ursachen von Arbeitslosigkeit und sozialem Elend sollen so verscheiert werden, um die Verletzung von Grundrechten zu legitimieren. Die Wirksamkeit solcher Ideologien und entsprechender Politik trägt zu einer Entsolidarisierung der Menschen untereinander bei, wodurch der gesellschaftliche Unmut über die soziale Ungleichheit von den Systemgewinnlern auf seine Verlierer umgelenkt wird.

Dem entgegen wollen wir uns gemeinsam über die Funktion des menschenverachtenden Hartz-IV-Systems verständigen um für eine Perspektive zu streiten, die allen die vollumfänglicher Teilhabe am kulturellen, sozialen und politischen Leben, also ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.

Departmentkonferenz + Winterfeier

Es ist nochmal viel los in der letzten Vorlesungswoche vor den mehr oder wenigen stressfreien Winterferien!

Der FSR hat am Donnerstag, den 19.12.2013 um 14 Uhr, eine Departmentkonferenz einberufen, die in der Kontrabar stattfinden soll!

Warum das Ganze? Warum macht der FSR sowas?
Die Departmentkonferenz ist der einzige offzielle „Raum“, wo sich alle Statusgruppen der HAW treffen und sich über aktuelle Themen des Departments austauschen (können). Dieses Semester hat eine Gruppe von Professor*innen beschlossen, dass genau diese Konferenz nur noch einmal im Semester (und zwar im Januar) stattfinden wird. Austausch, Diskussion, Partizipation sind dadurch natürlich nur sehr schwer möglich.
Aus der Kritik dieser Entscheidung heraus und vor allem weil es so viele diskussionswürdige Themen am Department gibt, hat der FSR einfach mal eine Departmentkonferenz einberufen. Finden wir sehr gut!

Hier auch schon mal die Themen, die besprochen werden:

  • Berichte und Departmentkonferenz
  • Auswertung und Perspektive der Projektwoche
  • Verteilung von Seminarplätzen (Zuteilungsverfahren)
  • Hamburger Hochschulgesetz
  • CHE-Ranking

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Damit ist aber noch nicht genug: Um die Departmentkonferenz aber vor allem das ganze Jahr ausklingen zu lassen, hat der FSR zusammen mit der Kontrabar eine Winterfeier organisiert! Ab 16 Uhr kann bei Keksen, Kuchen und Glühwein diskutiert, Musik gehört, gelacht oder geweint werden!

Kommt vorbei, wir freuen uns auf Euch!

Projektwoche WiSe 13/14

Angepasst oder kritisch
Wie wollen wir studieren?

Hochschulen können Erhebliches für die Lösung gesellschaftlicher Probleme und eine zivile Entwicklung der Gesellschaft beitragen.

Wissenschaftlich können die Ursachen von Krieg sowie der Bedingungen von Frieden, eine Lösung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krise im Sinne der Bevölkerung, die Überwindung weltweiter sozialer Ungleichheit und ökologischer Zerstörung und zivile Konfliktlösungen ergründet werden.

Wie sieht Wissenschaft aus, die sich in den Dienst des Menschen stellt, sich also wissenschaftlich mit den Widersprüchen der Gesellschaft auseinandersetzt, und was steht dem entgegen? Wie muss eine Hochschule organisiert sein, so dass ein gesellschaftlich verantwortliches Handeln ihrer Mitglieder, sowie die kritische Reflexion der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen der Zeit ermöglicht und gefördert werden? Welche positive Bedeutung für alle kann dabei die eigene und gemeinsame wissenschaftliche Betätigung haben?

Im Widerspruch zur gesellschaftlichen Verantwortung der Hochschulen steht die Einflussnahme von Wirtschaftsinteressen auf die Institutionen von Bildung und Wissenschaft. Die Hochschulen sollen dafür wie Unternehmen funktionieren, wissenschaftliche Tätigkeit einzig dem Zweck des unmittelbaren Nutzens für Profitmaximierung dienen. Dabei hat das BA/MA System vor allem eine Funktion: die inhaltliche und zeitliche Gängelung der Studierenden und Lehrenden, in kürzester Zeit nur noch das zu lernen bzw. zu lehren, was zur Qualifizierung für die unmittelbare Verwertbarkeit als Arbeitskraft nötig erscheint. Jeder kritische Gesellschaftsbezug, jede langfristige Entwicklungsperspektive und allgemeinbildende Aspekte sollen so ins Abseits gedrängt werden.

Wir wollen die vorgefundenen Studienbedingungen nicht als gegeben und unabänderlich hinnehmen, sondern Einfluss auf die Gestaltung unseres Studiums, auf die Inhalte und die Organisation nehmen.

Dafür organisier der FSR Soziale Arbeit & Bildung und Erziehung in der Kindheit zusammen mit dem AStA eine hochschulweite Fachtagung, auf der wir über die Bedingungen an den Hochschulen und die Voraussetzungen und Möglichkeiten für eine kritische Wissenschaft diskutieren wollen.

(Fachtagung des FSR Soziale Arbeit & Bildung und Erziehung in der Kindheit zusammen mit dem AStA Haw Hamburg)

Programm:

Donnerstag, 28.11
Die gescheiterte Hochschulreform – warum die „unternehmerische Hochschule“ nicht funktioniert
Vortrag und Diskussion mit Torsten Bultmann (Bund demokratischer Wissenschaftler)
Versammlungsstätte,14:30- 17:00 Uhr

Freitag, 29.11.
Begrüßung und Vorstellung der Workshops
10:00- 10:45

Workshops:
11:00 – 13:30 Uhr

Solidarität oder Konkurrenz am Beispiel des Zuteilungsverfahrens
FSR Soziale Arbeit & Bildung und Erziehung in der Kindheit mit Studierenden aus Berlin
R. 0.15

Prekäres Praktikum – 0 €* sind nicht genug!
Junger DBSH Hamburg und das Netzwerk prekäres Praktikum
R. 0.23

Betriebswirtschaftlich oder Weltoffen?
Zur Novelle des Hamburger Hochschulgesetzt GEW und Fachschaftsrätekonferenz der Uni Hamburg
Theaterraum

Abschlussvortrag – „Was ist kritische Wissenschaft?“
mit Prof. Dr. Morus Markard (Psychologie Professor an der FU Berlin
Versammlungsstätte, 15:00- 17:30

Tanzen.Besetzen.Mieten zerfetzen!

Raven gegen Wohnungsnot“ geht in die 2. Runde!

Nachdem wir schon letztes Jahr eine grandiose Nachttanzdemo gemacht haben, möchten wir auch dieses Jahr mit Euch die „Verhältnisse zum Tanzen“ bringen! Wir haben genug von teuren Mieten! Wir haben genug von Zwangsräumungen! Wir haben genug von Notunterkünfte,wie Turnhallen! Wir haben genug von Olaf Scholz und seiner SPD! Wir sagen: Schluss damit! Nicht mit uns!

Seid dabei am 18.10.13, wenn wir durch die Stadt ziehen, tanzen, laut sind, bunt sind, kreativ sind.

****Line up****
Hoppe,Baskind, Flexxi (Rotzige Beatz)
Harre (Click)
PunktPunkt (Like Birdz)

Konzept 2013

„Man wird sagen, es sei recht wenig, was das einzelne Individuum seinen Kräften gemäß zu ändern vermag. Was nur bis zu einem gewissen Punkt stimmt. Denn der einzelne Mensch kann sich mit all denen zusammenschließen, die dieselbe Veränderung wollen, und wenn diese Veränderung vernünftig ist, kann der einzelne sich in einem imponierenden Ausmaß vervielfachen und eine Veränderung erzielen, die viel radikaler ist, als es auf den ersten Blick möglich erscheint.“
Antonio Gramsci, „Gefängnishefte“, Heft 10 (1932 – 1935), § 54, „Einführung in das Studium der Philosophie. Was ist der Mensch?“

Die Verfasste Studierendenschaft (VS) ist die durch Studierende erkämpfte institutionalisierte Möglichkeit sich solidarisch organisiert für die sozialen, politischen und kulturellen Interessen der Studierenden einzusetzen. Damit hat sie große Wirkungsmöglichkeiten und Verantwortung für Verbesserungen in der Hoch-schule und über sie hinaus. Dabei ist die Studierendenbewegung traditionell relevanter Teil der gesellschaftlichen Opposition. Ihre Kämpfe waren und sind auch heute wesentlich von Ansprüchen an gesellschaftlich verantwortungsvolle Wissen-schaft und demokratische Teilhabe aller Hochschulmitglieder bestimmt.
Aufgabe der Gremien der VS ist es, in Auseinandersetzungen um bildungs-, wissenschafts- und hochschulpolitische Fragen einzugreifen, die Studierenden über aktuelle Entwicklungen in diesen Bereichen aufzuklären und studentisch politische und kulturelle Aktivitäten zu unterstützen und zu initiieren.

Der Fachschaftsrat (FSR) ist die Interessenvertretung eines bestimmten Studien-gangs/einer Fachrichtung, also eine Basisorganisation, die oft die erste Anlaufstelle für Probleme und Fragen innerhalb sowie außerhalb des Fachbereichs ist. Sie sind zudem für Erstsemester wichtige Anlaufstellen, da sie mit ihren Aktivitäten zu Studienbeginn (z.B. in der OE-Woche) gute Gelegenheiten bieten, erste Kontakte zu schließen. Sie bilden auch für Studierende, welche sich zusammen über die vorgefundenen Verhältnisse an der Hochschule und darüber hinaus kritisch verstän-digen wollen, die Möglichkeit, sich zu organisieren, um Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Der ständige Austausch über Entwicklungen am eigenen Fachbereich, aber auch darüber hinaus, ist eine Grundlage der Arbeit des Fachschaftsrates. In der Auseinandersetzung über Studienstrukturen und Wissenschaftsinhalte haben FSRe große Wirkungs- und Einflussmöglichkeiten. Mit gemeinsam organisierten Veran-staltungen, Aktionen und Kritik, sowie mit Diskussionen zur Information und Aufklärung können Studierende als größte Mitgliedergruppe der Hochschule an Entscheidungen mitwirken und sich für Veränderungen einsetzen. Gemeinsam kann so für Verbesserungen und eine solidarische Kultur im Fachbereich und auch erwei-tert in der akademischen Selbstverwaltung (Departmentkonferenz, Fakultätsrat, Hochschulsenat) und den Gremien der VS (Studierendenparlament, Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA), Fachschaftsrätekonferenz) eingegriffen werden.

Dieses Engagement bringt Freude und gelingt am besten, je mehr Studierende sich zusammenschließen und aktiv werden. Diese Broschüre über unsere Unter-nehmungen des letzten Jahres im FSR sei ein Beitrag dazu.


Departementkonferenz in der Kontrabar
Am 19.12.2013 lud der FSR zur studentisch organisierten Departmentkonferenz in die Kontrabar ein. Dies hatte den Grund, dass die Departmentkonferenz an unserem Department durch ein rein professorales Treffen ersetzt wurde. Dies bedeutete das alle anderen Mitgliedergruppen (Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter sowie Tech-nisches und Verwaltungspersonal) ausgeschlossen wurden und damit eine gemeinsame Beratung nicht mehr möglich war. Dies stand dem Ausbau demokratischen Strukturen an unserer Hochschule entgegen. Daher fordern wir den Erhalt des Beratungsgremiums, in dem sich gemeinsamen über die wirklichen Entwicklungsherausforderungen des Fachbereichs verständigt wird. Auf dieser Grundlage luden wir als FSR zu einer Departmentkonferenz ein, die erfolgreich unter Beteiligung aller Mitgliedergruppen stattfand. Es wurde über die Projektwoche, das Hochschulgesetz und über das Ausfallen der Departmentkonferenzen zugunsten des Professoriums diskutiert.
Als Konsequenz daraus finden die Departmentkonferenzen nun wieder regelmäßig mit der Beteiligung aller Mitgliedergruppen statt.

Projektwoche
Eine Woche im Semester können wir entgegen dem sonst engen Bachelor-Master-Studienalltag Veranstaltungen, Diskussionen, Exkursionen etc., die im momentanen Seminarbetrieb keinen Platz haben, selbst organisieren. Als FSR haben wir in den letzten Projektwochen besonders diesen emanzipatorischen Charakter erweitert, in der Perspek-tive das Studium so zu gestalten, dass selbstbestimmtes, kooperatives Lernen, in kri-tischem Gesellschaftsbezug möglich wird.
Diese neue Kultur befreiten Studierens durch kooperatives und interessengeleitetes Lernen in gemeinsamen Diskussionen und Aktivitäten wollen wir weiter ausbauen.

CHE-Boykott
Im November riefen wir als FSR zu einem Boykott des CHE-Hochschulrankings auf. Konkurrenzstiftende Rankings, die weiter auf Marktkonformität der Hochschulen setzen und damit auch eine höhere Marktabhängigkeit bedeuten, brauchen wir nicht. Auf Initiative des FSR wurde der Ausstieg des Departments Soziale Arbeit beschlossen. Statt eines Konkurrenzkampfes zwischen den Hochschulen fordern wir als Grundlage für Qualität in Forschung und Lehre eine bedarfsgerecht ausfinanzierte Hochschule. Hierfür muss die Schuldenbremse gelöst werden. Daher unterstützen wir die Kampagne „Verbesserungen beginnen … mit der Beendigung von Verschlechterungen“
(www.verbesserungen-beginnen.de).

EinklägerInnen
Wir als FSR zeigen uns solidarisch mit allen, die nur durch ein Einklageverfahren das Studium aufnehmen können. Der Ausbau der Studienplätze – damit alle ihr Recht auf Bildung verwirklichen können – ist eine unserer grundsätzlichen Forderungen.
Daher organisieren wir mit den EinklägerInnen Möglichkeiten für Vernetzung und Beratung.

Orientierungswoche
Entgegen dem Verständnis, dass die Orientierungswoche dazu dient, beizubringen, wie man sich möglichst gut mit den gegeben Studienbedingungen arrangiert, haben wir mit Fachschaftsaktiven die Gestaltungsmöglichkeiten als Mitglied der Hochschule in den OE-Gruppen thematisiert. Nicht ein Klarkommen mit ärgerlichen Studienbedingungen, sondern deren gemeinsames Überwinden hin zu einer Verbesserung des Studiums für alle ist die freudige Alternative.
Statt also möglichst schnell und brav das Studium zu bewältigen, gilt es sich als Studierende von der SchülerInnenperspektive zu befreien und sich als kritisch eingreifende WissenschaftlerInnen zu verstehen.

Hamburger Hochschulgesetz
Bereits 2010 hat das Bundesverfassungsgericht dem Hamburgischen Hochschulgesetz (HmbHG) in seiner derzeitigen Fassung – auf Initiative aktiver Hochschulmitglieder – erhebliche Demokratiedefizite bescheinigt und das Gesetz für Verfassungswidrig erklärt. Erst im Sommer vergangenen Jahres hat der politische Senat einen Entwurf für die Überarbeitung vorgelegt, welcher die zukünftige Hochschulentwicklung bestimmen soll. Doch entgegen der gesellschaftlichen Verantwortung der Hochschulen sollen sie weiterhin genötigt werden, sich den Anforderungen von Unternehmen und Lobbyisten für Standortkonkurrenz zu unterwerfen und ihre inhaltliche Ausrichtung marktkonform zu gestalten.
Der FSR setzt sich in dieser Auseinandersetzung für eine Weiterentwicklung von Bildung und Wissenschaft entgegen dieser Ideologie der „Unternehmerischen Hochschule“ mit Top-Down-Hierarchien für eine wirkliche Redemokratisierung der Hochschule ein. Eine Studienreform entgegen dem Bachlor/Master-Schmalspurstudium ist dafür zwingend notwendig. Für eine Wissenschaft und Forschung, welche sich kritisch mit den bestehenden Verhältnissen auseinandersetzt und für eine friedliche, soziale und nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft wirkt.
Diese Ansprüche haben wir gemeinsam mit anderen Aktiven an der Hochschule in Stellungnahmen und Anhörungen zur Geltung gebracht. Dies gilt es nun gemeinsam zu erweitern.
Hinaus aus der Enge !