Liebe Komiliton:innen,
heute hat die Vollversammlung der Fachschaft stattgefunden und wir sind als Liste kritische Soziale Arbeit zum Fachschaftsrat wiedergewählt! Hier findet ihr unser Programm samt Vorhaben für die nun startende Legislatur:
Für uns sind derzeit zentrale Themen die zunehmende Aufrüstung durch Sozialabbau, die politische Rechtsentwicklung, die einhergeht mit der Hetze gegen Migrant:innen, Geflüchtete und Bürgergeldempfänger:innen. Der gesellschaftliche Reichtum ist groß genug, um für alle die notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Es ist an der Zeit, dass Hochschulen und insbesondere unser Department Soziale Arbeit sich aktiv in den politischen Diskurs einbringen und für Veränderungen kämpfen.
Unser Programm setzt genau hier an:
Unbegrenzte Prüfungsversuche
Der grundlegende Sinn von Prüfungen und Benotungen sollte grundsätzlich hinterfragt werden! Während der Pandemie war es durch den Druck von Studierendenvertretungen und entsprechende Anträge möglich, Fehlversuche bei Prüfungen nicht zu zählen. An der Universität Bielefeld ist dies bereits der Normalzustand – und genau das wollen wir auch an der HAW: ein dauerhaft angstfreieres und gesünderes Studium. Erste Schritte wurden bereits eingeleitet, Kontakte nach Bielefeld sind geknüpft und eine Veranstaltung an der HAW ist in Planung. Was erhoffen wir uns davon? Einen Beitrag zu einem Studium auf Augenhöhe, das sich an Interesse und nicht an Notendruck orientiert.
Studienreform und Projektstudium
Wir arbeiten an der Entwicklung eines Studienmodells, bei dem wir durch praxisorientierte Projekte während des Studiums die Kompetenzen erwerben, die später im Beruf von Bedeutung sind. In Zusammenarbeit mit Partnern aus der Praxis bearbeiten wir gesellschaftliche Herausforderungen und tragen so dazu bei, sowohl unser Studium als auch die Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Ein erster Teil dieser Reform wurde bereits beschlossen und ist im Studienreformprozess verankert. Ab dem kommenden Jahr wird es möglich sein, Seminare in Projektform über zwei Semester zu studieren. Bei der weiteren Umsetzung und Planung wollen wir uns aktiv einbringen und mitgestalten. Wir setzen uns weiterhin für eine Ausweitung dieses Ansatzes ein.
Ausfinanzierung des Studierendenwerks
Wie auch die HAW ist das Studierendenwerk massiv unterfinanziert. In diesem Jahr gab es bereits Preiserhöhungen für Studierende, und weitere Erhöhungen stehen bevor. Im letzten Semester haben wir gemeinsam mit Kommiliton:innen aus unserem Department an der Vertreterversammlung des Studierendenwerks teilgenommen und gegen diese Preiserhöhungen protestiert. Wir wollen uns auch weiterhin für Verbesserungen und eine bessere Ausfinanzierung des Studierendenwerks starkmachen.
BAföG für Alle
Die soziale Lage der Studierenden in Deutschland ist dramatisch. Laut Daten des Deutschen Studierendenwerks, des Statistischen Bundesamts und unabhängiger Studien leben derzeit etwa zwei Drittel aller Studierenden unterhalb der Armutsgrenze. Mit der Forderung nach einem BAföG für alle stellen wir uns entschieden gegen die Armut unter Studierenden und setzen ein Zeichen gegen die neoliberale Ideologie der Eigenverantwortung und die Leistungsideologie des „Förderns und Forderns“. Es braucht einen Paradigmenwechsel in und durch soziale Kämpfe! Konkret bedeutet dies: Wir werden uns weiterhin an der laufenden Kampagne „BAföG für Alle!“ beteiligen und an der geplanten Demo sowie weiteren Aktionen mitwirken.
Studieneinstiegsphase – AG OE
Der Start ins Studium macht einen großen Unterschied! Gemeinsam mit Tutor:innen, wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen und interessierten Studierenden wollen wir den Studienstart weiterentwickeln – auch
unter Berücksichtigung finanzieller Einschränkungen. Gerade deswegen ist es besonders wichtig, den Austausch zwischen Studierenden zu fördern, die Hochschule besser kennenzulernen und erste Inhalte des Studiengangs sowie der Praxisfelder zu entdecken. Zudem wollen wir die Studierenden anregen, eine kritische Haltung einzunehmen, um das Studium, den Fachbereich und die Hochschule aktiv mitzugestalten.
Soziale Ungleichheit am Beispiel des Cum-Ex-Skandals
Die soziale Ungleichheit in Deutschland verschärft sich zunehmend – und genau hier ist die Soziale
Arbeit gefragt! Im vergangenen Semester haben wir uns bereits mit dem Bürgergeld sowie der Lage von Wohnungs- und Obdachlosigkeit beschäftigt und uns an Aktionen sowie einer Demo beteiligt. Es braucht unter anderem umfangreichere Soforthilfeprogramme, massive Investitionen in den sozialen Wohnungsbau und eine stärkere Förderung der öffentlichen Daseinsvorsorge. Doch die entscheidende Frage bleibt: Woher sollen diese Mittel kommen? Hier wollen wir uns in diesem Semester mit der Finanzierung befassen. Denn nicht Geflüchtete und Arbeitslose sind zu teuer – es sind „die Reichen“, die dem Staat auf der Tasche liegen. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Cum-Ex-Skandal: Hier werden enorme Summen an Steuergeldern veruntreut, mit denen beispielsweise fünf Jahre lang der Hamburger Sozial- und Bildungshaushalt finanziert werden könnte.
Viele Grüße
euer Fachschaftsrat