Konzept 2013

„Man wird sagen, es sei recht wenig, was das einzelne Individuum seinen Kräften gemäß zu ändern vermag. Was nur bis zu einem gewissen Punkt stimmt. Denn der einzelne Mensch kann sich mit all denen zusammenschließen, die dieselbe Veränderung wollen, und wenn diese Veränderung vernünftig ist, kann der einzelne sich in einem imponierenden Ausmaß vervielfachen und eine Veränderung erzielen, die viel radikaler ist, als es auf den ersten Blick möglich erscheint.“
Antonio Gramsci, „Gefängnishefte“, Heft 10 (1932 – 1935), § 54, „Einführung in das Studium der Philosophie. Was ist der Mensch?“

Die Verfasste Studierendenschaft (VS) ist die durch Studierende erkämpfte institutionalisierte Möglichkeit sich solidarisch organisiert für die sozialen, politischen und kulturellen Interessen der Studierenden einzusetzen. Damit hat sie große Wirkungsmöglichkeiten und Verantwortung für Verbesserungen in der Hoch-schule und über sie hinaus. Dabei ist die Studierendenbewegung traditionell relevanter Teil der gesellschaftlichen Opposition. Ihre Kämpfe waren und sind auch heute wesentlich von Ansprüchen an gesellschaftlich verantwortungsvolle Wissen-schaft und demokratische Teilhabe aller Hochschulmitglieder bestimmt.
Aufgabe der Gremien der VS ist es, in Auseinandersetzungen um bildungs-, wissenschafts- und hochschulpolitische Fragen einzugreifen, die Studierenden über aktuelle Entwicklungen in diesen Bereichen aufzuklären und studentisch politische und kulturelle Aktivitäten zu unterstützen und zu initiieren.

Der Fachschaftsrat (FSR) ist die Interessenvertretung eines bestimmten Studien-gangs/einer Fachrichtung, also eine Basisorganisation, die oft die erste Anlaufstelle für Probleme und Fragen innerhalb sowie außerhalb des Fachbereichs ist. Sie sind zudem für Erstsemester wichtige Anlaufstellen, da sie mit ihren Aktivitäten zu Studienbeginn (z.B. in der OE-Woche) gute Gelegenheiten bieten, erste Kontakte zu schließen. Sie bilden auch für Studierende, welche sich zusammen über die vorgefundenen Verhältnisse an der Hochschule und darüber hinaus kritisch verstän-digen wollen, die Möglichkeit, sich zu organisieren, um Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Der ständige Austausch über Entwicklungen am eigenen Fachbereich, aber auch darüber hinaus, ist eine Grundlage der Arbeit des Fachschaftsrates. In der Auseinandersetzung über Studienstrukturen und Wissenschaftsinhalte haben FSRe große Wirkungs- und Einflussmöglichkeiten. Mit gemeinsam organisierten Veran-staltungen, Aktionen und Kritik, sowie mit Diskussionen zur Information und Aufklärung können Studierende als größte Mitgliedergruppe der Hochschule an Entscheidungen mitwirken und sich für Veränderungen einsetzen. Gemeinsam kann so für Verbesserungen und eine solidarische Kultur im Fachbereich und auch erwei-tert in der akademischen Selbstverwaltung (Departmentkonferenz, Fakultätsrat, Hochschulsenat) und den Gremien der VS (Studierendenparlament, Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA), Fachschaftsrätekonferenz) eingegriffen werden.

Dieses Engagement bringt Freude und gelingt am besten, je mehr Studierende sich zusammenschließen und aktiv werden. Diese Broschüre über unsere Unter-nehmungen des letzten Jahres im FSR sei ein Beitrag dazu.


Departementkonferenz in der Kontrabar
Am 19.12.2013 lud der FSR zur studentisch organisierten Departmentkonferenz in die Kontrabar ein. Dies hatte den Grund, dass die Departmentkonferenz an unserem Department durch ein rein professorales Treffen ersetzt wurde. Dies bedeutete das alle anderen Mitgliedergruppen (Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter sowie Tech-nisches und Verwaltungspersonal) ausgeschlossen wurden und damit eine gemeinsame Beratung nicht mehr möglich war. Dies stand dem Ausbau demokratischen Strukturen an unserer Hochschule entgegen. Daher fordern wir den Erhalt des Beratungsgremiums, in dem sich gemeinsamen über die wirklichen Entwicklungsherausforderungen des Fachbereichs verständigt wird. Auf dieser Grundlage luden wir als FSR zu einer Departmentkonferenz ein, die erfolgreich unter Beteiligung aller Mitgliedergruppen stattfand. Es wurde über die Projektwoche, das Hochschulgesetz und über das Ausfallen der Departmentkonferenzen zugunsten des Professoriums diskutiert.
Als Konsequenz daraus finden die Departmentkonferenzen nun wieder regelmäßig mit der Beteiligung aller Mitgliedergruppen statt.

Projektwoche
Eine Woche im Semester können wir entgegen dem sonst engen Bachelor-Master-Studienalltag Veranstaltungen, Diskussionen, Exkursionen etc., die im momentanen Seminarbetrieb keinen Platz haben, selbst organisieren. Als FSR haben wir in den letzten Projektwochen besonders diesen emanzipatorischen Charakter erweitert, in der Perspek-tive das Studium so zu gestalten, dass selbstbestimmtes, kooperatives Lernen, in kri-tischem Gesellschaftsbezug möglich wird.
Diese neue Kultur befreiten Studierens durch kooperatives und interessengeleitetes Lernen in gemeinsamen Diskussionen und Aktivitäten wollen wir weiter ausbauen.

CHE-Boykott
Im November riefen wir als FSR zu einem Boykott des CHE-Hochschulrankings auf. Konkurrenzstiftende Rankings, die weiter auf Marktkonformität der Hochschulen setzen und damit auch eine höhere Marktabhängigkeit bedeuten, brauchen wir nicht. Auf Initiative des FSR wurde der Ausstieg des Departments Soziale Arbeit beschlossen. Statt eines Konkurrenzkampfes zwischen den Hochschulen fordern wir als Grundlage für Qualität in Forschung und Lehre eine bedarfsgerecht ausfinanzierte Hochschule. Hierfür muss die Schuldenbremse gelöst werden. Daher unterstützen wir die Kampagne „Verbesserungen beginnen … mit der Beendigung von Verschlechterungen“
(www.verbesserungen-beginnen.de).

EinklägerInnen
Wir als FSR zeigen uns solidarisch mit allen, die nur durch ein Einklageverfahren das Studium aufnehmen können. Der Ausbau der Studienplätze – damit alle ihr Recht auf Bildung verwirklichen können – ist eine unserer grundsätzlichen Forderungen.
Daher organisieren wir mit den EinklägerInnen Möglichkeiten für Vernetzung und Beratung.

Orientierungswoche
Entgegen dem Verständnis, dass die Orientierungswoche dazu dient, beizubringen, wie man sich möglichst gut mit den gegeben Studienbedingungen arrangiert, haben wir mit Fachschaftsaktiven die Gestaltungsmöglichkeiten als Mitglied der Hochschule in den OE-Gruppen thematisiert. Nicht ein Klarkommen mit ärgerlichen Studienbedingungen, sondern deren gemeinsames Überwinden hin zu einer Verbesserung des Studiums für alle ist die freudige Alternative.
Statt also möglichst schnell und brav das Studium zu bewältigen, gilt es sich als Studierende von der SchülerInnenperspektive zu befreien und sich als kritisch eingreifende WissenschaftlerInnen zu verstehen.

Hamburger Hochschulgesetz
Bereits 2010 hat das Bundesverfassungsgericht dem Hamburgischen Hochschulgesetz (HmbHG) in seiner derzeitigen Fassung – auf Initiative aktiver Hochschulmitglieder – erhebliche Demokratiedefizite bescheinigt und das Gesetz für Verfassungswidrig erklärt. Erst im Sommer vergangenen Jahres hat der politische Senat einen Entwurf für die Überarbeitung vorgelegt, welcher die zukünftige Hochschulentwicklung bestimmen soll. Doch entgegen der gesellschaftlichen Verantwortung der Hochschulen sollen sie weiterhin genötigt werden, sich den Anforderungen von Unternehmen und Lobbyisten für Standortkonkurrenz zu unterwerfen und ihre inhaltliche Ausrichtung marktkonform zu gestalten.
Der FSR setzt sich in dieser Auseinandersetzung für eine Weiterentwicklung von Bildung und Wissenschaft entgegen dieser Ideologie der „Unternehmerischen Hochschule“ mit Top-Down-Hierarchien für eine wirkliche Redemokratisierung der Hochschule ein. Eine Studienreform entgegen dem Bachlor/Master-Schmalspurstudium ist dafür zwingend notwendig. Für eine Wissenschaft und Forschung, welche sich kritisch mit den bestehenden Verhältnissen auseinandersetzt und für eine friedliche, soziale und nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft wirkt.
Diese Ansprüche haben wir gemeinsam mit anderen Aktiven an der Hochschule in Stellungnahmen und Anhörungen zur Geltung gebracht. Dies gilt es nun gemeinsam zu erweitern.
Hinaus aus der Enge !