Gute Studien- und Arbeitsbedingungen an der Hochschule – statt Unterfinanzierung mit Hacker-Angriff!

Liebe Kommiliton:innen,

auf der heutigen Sitzung der Fachschaftsrätekonferenz haben wir zusammen mit den anderen Fachschaftsräten der HAW eine gemeinsame Stellungnahme zum Cyberangriff formuliert, mit der wir mit der HAW in die Diskussion um Verbesserungen gehen werden!

Viele Grüße
euer Fachschaftsrat


Die HAW Hamburg ist infolge der dauerhaften Unterfinanzierung pleite und dadurch zur leichten Beute von Hackern geworden. Durch das sicherheitshalbere Herunterfahren sämtlicher IT-Systeme waren die Studierenden von sämtlichen studienrelevanten Unterlagen und Lernmaterialien abgeschnitten, was gerade in der aktuellen Prüfungsvorbereitungsphase äußerst unpassend ist. Das schreibt auch die HAW auf Ihrer Website zu dem Angriff:
„Hausarbeiten und Abschlussarbeiten (BA- und MA-Thesen) können bis zu drei Wochen später abgegeben werden, da es aktuell schwieriger ist, an benötigte Lernmaterialien, Fachliteratur und Informationen zu gelangen.“ Zusätzlich fielen sämtliche Kommunikationswege durch den Cyberangriff weg, sodass es tagelang nicht möglich war mit den Zuständigen und Lehrenden in Kontakt zu treten. Auch dies trug unmittelbar zur Verunsicherung der Studierenden bei und schuf zusätzlich Unklarheiten bezüglich der aktuellen Vorgänge.

Es ist gut, dass die Zuständigen an der Hochschule erste Konsequenzen durch Entlastungen für Studierende bei den Prüfungen aus der neuerlichen Verschärfung durch den Cyberangriff der bereits bestehenden gesellschaftlichen Krisenlage (Inflation, Corona-Folgen, Krieg, Klima, Unterfinanzierung öffentlicher und sozialer Einrichtungen, …) ziehen. An diesem Punkt dürfen wir als Hochschule jedoch nicht stehen bleiben.

Damit die Studienmöglichkeiten und der Studienerfolg nicht noch weiter eingeschränkt werden, haben wir als Vertretungen der Studierendenschaft am 10.01. weitere Anpassungen für die aktuelle Prüfungsphase wie u.a., dass sowohl Fehlversuche nicht gezählt werden als auch ein zweiter Prüfungszeitraum stattfindet, angemahnt und deren Notwendigkeit dargelegt (siehe Anhang). Denn längst nicht alle Studierenden konnten sich auch nur halbwegs adäquat auf die Prüfungen vorbereiten oder können es sich leisten das Studium zu verlängern.

In den verschiedenen Departments (Fachbereichen) wurde unterschiedlich reagiert – oft mit Verständnis, manchmal aber auch nicht. Der Verweis seitens der Zuständigen darauf, dass auch den Beschäftigten die Kapazitäten für den Mehraufwand fehlen, ist zwar nachvollziehbar, aber trotzdem unzureichend. Die Hochschule und damit auch die Stadt Hamburg sind verpflichtet, Studienbedingungen zu schaffen, in denen es Studierenden möglich ist im vorgesehenen Zeitraum erfolgreich ein Studium abzuschließen. Um dem gerecht zu werden stehen beide in der Pflicht, auch kurzfristig entsprechend zusätzliche Ressourcen bereitzustellen. Das kann nicht durch zusätzliche Belastungen der Beschäftigten geschehen, wie es aktuell der Fall ist, sondern auch diese brauchen dafür Unterstützung.

Hier rächt sich die „Sparpolitik“ der letzten Jahrzehnte, die am Ende immer zu Verteuerungen und qualitativen Verschlechterungen geführt hat. In einer Zeit, in der die Politik sich nicht in der Lage sieht, die gesellschaftlichen Krisen zu lösen, sollten insbesondere Strukturen, die wesentlich zur Lösung und Bewältigung der Krise beitragen können (u.a. Bildung, Gesundheit, zivilgesellschaftliche Strukturen wie soziale und kulturelle Einrichtungen), großzügig und dauerhaft ausgestattet werden, statt sie kurzsichtig zu verschleißen. So werden Hochschulen seitens der Politik strukturell darin eingeschränkt, ihr enormes Potential zur Beantwortung der brennenden Fragen der Zeit so einzusetzen, wie es gesellschaftlich dringend erforderlich ist: Zum Beispiel ist gegen den Pflegenotstand ein starkes krankheitspräventiv-gesundheitsförderliches Gesundheitssystem aufzubauen und gegen die Klimakrise können wir mit innovativen und effizienten technischen und organisatorischen Lösungen beitragen. Die Studiengänge der HAW könnten dazu wesentlich beitragen, wenn entsprechende Strukturen geschaffen würden.

Zusätzlich werden die öffentlichen Hochschulen durch die “Sparpolitik” vulnerabler für Cyberangriffe, wie sowohl durch die jetzige als auch durch frühere ähnliche Situationen (bspw. die Universität Duisburg-Essen) sichtbar wird. Der Spiegel schrieb am 12. Januar auf seiner Website dazu:
„Viele Hochschulen seien chronisch unterfinanziert, so der Sozialwissenschaftler, und damit generell »überforderte Organisationen«. Weil die Beschäftigten oft »hinterherhecheln, um den Normalbetrieb aufrechtzuerhalten«, hätten sie in der Regel nicht die nötigen Kapazitäten, um sich mit Blick auf die Organisation von Lehr- und Prüfungsveranstaltungen auch noch auf Cyberattacken vorzubereiten.“ (Silke Fokken, »Absolute Krise« – Wenn ein Cyberangriff eine Hochschule ausknockt)

Aus der Corona-Pandemie können wir lernen: Bereits damals hat sich als hoch problematischgezeigt, dass das Studium extrem auf Prüfungen (insb. Klausuren) fokussiert ist und regelmäßig mit Existenzängsten, verengtem Blick und tendenziell unsozialem Verhalten einhergeht. Nun werden erneut das vielfältige Wissen und die Kompetenzen der Hochschulmitglieder nicht für die Überwindung der Krise und ihrer Ursachen) eingesetzt, sondern unter noch schlechteren Bedingungen als ohnehin schon (Personal- und Raummangel) Klausuren und andere Prüfungen organisiert und durchgeführt. Die starke Verschulung des Studiums mit Prüfungsfokus wird den Möglichkeiten einer Hochschule bei weitem nicht gerecht. Mit Konzepten wie forschendem Lernen oder Projektstudium lässt sich Studium so gestalten, dass Studierende wie Lehrende ab dem ersten Semester zur Verbesserung der gemeinsamen Lebensbedingungen und dem Lösen von gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen. Ein Teil der dafür benötigten Kapazitäten wird schon dadurch frei, wenn sich Studierende wie Lehrende auf die relevanten Fragestellungen konzentrieren können und Kooperation praktisch erproben, statt sich mit hohem Aufwand dem wenig produktivem Prüfungsgeschehen zu widmen.

Um die Lasten der gesellschaftlichen Krise und des Hackerangriffs nicht auf dem Rücken der Studierenden auszutragen, ist daher ein erster Schritt, unseren Forderungen zu den Prüfungen oder gleichwertiger Alternativen zu entsprechen und die Hochschule und die Beschäftigten finanziell und personell dazu in die Lage zu versetzen. Gleich danach gilt es die notwendigen Studienreformen auf den Weg zu bringen und eine solide Finanzierung dauerhaft sicherzustellen.

Gez. Fachschaftsrätekonferenz der HAW Hamburg (fsrk-haw-hamburg@outlook.de)
Hamburg, den 27.01.2023

Offener Brief für die Öffnung aller Hamburger Hochschulen in geschützter Präsenz

An die Hochschulleitungen der Hamburger Hochschulen, An die Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke,

als Fachschaftsräte und Studierende verschiedener Hamburger Hochschulen, als aktiver Teil der studentischen Selbstverwaltung und Mitglieder der Hochschulen fordern wir den Übergang zu geschützter Präsenzlehre im Sommersemester 2021. Als wissenschaftliche Einrichtungen tragen Hochschulen die Verantwortung, ihre Forschung und Lehre im Sinne des Allgemeinwohls auszurichten. Dazu gehört die (Aus-)Bildung mündiger Persönlichkeiten, die kritische Reflexion von gesellschaftlichen Missständen, sowie die Entwicklung konstruktiver Lösungsansätze – gerade in Krisenzeiten. Um zur Verwirklichung dieser Ziele beizutragen, sind sie demokratisch verfasst und brauchen adäquate Bedingungen wie den aktiven Austausch zwischen allen Mitgliedern der Hochschule.

Zentrale Voraussetzungen für psychische und physische Gesundheit im Weltmaßstab sind der Zugang zu einer umfassenden Gesundheitsversorgung und gesunder Nahrung, soziale Sicherheit, angemessene Wohnverhältnisse, Zugang zu Kultur, Bildung und demokratischer Mitgestaltung und der produktive Austausch mit anderen Menschen. Voraussetzungen, die gesellschaftlich hergestellt werden müssen. Als Hochschulen ist es unsere Aufgabe dazu beizutragen, dass wir als Menschheit einen Schritt vorankommen bei der Bekämpfung von Krankheiten und der Realisierung der Menschenrechte. Keine Aufgabe ist zu groß, als dass sie nicht durch kollektives Engagement gelöst werden kann. Die fortgesetzte Schließung der Hochschulen bremst.

Wir möchten in diesem Zusammenhang exemplarisch an die Leitbilder für Lehre erinnern, die sich die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und die Universität Hamburg gegeben haben:

„Von der Universitätsleitung wird erwartet, dass sie die Rahmenbedingungen für gute Lehre mit dem Ziel sicherstellt, die Universität für alle Menschen als einen Ort lebenslangen Lernens zu erhalten und weiter zu entwickeln.“ (aus dem Leitbild universitärer Lehre der Universität Hamburg)

„Wir leben eine demokratische und friedliche Kultur, in der wissenschaftliche Kritik, ethische Reflexion sowie der gesellschaftspolitische Bezug die Themen und Prozesse akademischen Lernens durchdringen. Unsere Hochschule ist ein Ort, an dem sich Menschen mit ihren unterschiedlichen Perspektiven offen begegnen.“ (aus dem Leitbild für Bildung, Studium und Lehre der Hochschule für Angewandte Wissenschaften)

Die entsprechenden Hygienekonzepte für die Wiedereröffnung der Hochschulen liegen seit vielen Monaten vor, sind teilweise erprobt und können um Schnelltests und um den Einbau von leistungsfähigen Luftreinigungsanlagen ergänzt werden. Eine Verlängerung der Schließung der Hochschulen ist vor diesem Hintergrund unverantwortlich und schlichtweg schädlich.

Die Möglichkeiten für geschützte Präsenz im Sommersemester 2021 müssen sorgfältig genutzt und ausgebaut werden. Wir fordern Sie daher auf, einheitliche Standards für die Hamburger Hochschulen zu schaffen und umzusetzen:

1) Präsenzlehre im Sommersemester muss ermöglicht werden.
Für studiengangrelevante Lehrformate müssen Präsenzveranstaltungen mit Hybrid-Optionen angeboten werden. Dazu zählen Labore in den Naturwissenschaften und technischen Studiengängen, genauso wie Seminare in den Sozial-, Geistes-,
Kulturwissenschaften. Für die Umsetzung in Präsenz- und Hybridformaten sollten kreative Lösungen erarbeitet werden.

2) Orientierungseinheiten müssen in Präsenz stattfinden dürfen.
Eine angemessene Orientierung an der Hochschule, im Studiengang und unter den Kommiliton*innen gelingt nur in Präsenz. Die Durchführung von Orientierungseinheiten in geschützter Präsenz muss ermöglicht und unterstützt werden.

3) Bibliotheken und Lernräume müssen sofort geöffnet werden.
Der Zugang zu Literatur und angenehme räumliche Arbeits- und Lernbedingungen sind zentrale Voraussetzungen für ein Hochschulstudium. Der Zugang zu Bibliotheken und Gebäuden mit entsprechenden Einzel- und Gruppenarbeitsräumen ist zu den regulären Öffnungszeiten der Gebäude zu gewährleisten.

4) Arbeitsinfrastruktur und soziale Infrastruktur müssen bereitgestellt werden. Angemessene räumliche und technische Bedingungen für ein sinnvolles Studium können nicht vorausgesetzt werden. Geöffnete Mensen, der Campus als Ort der Begegnung, öffentliche Computerarbeitsplätze und Druck- und Kopiermöglichkeiten sind ebenso notwendige Bedingungen für ein inklusives und produktives Studium wie der Zugang zu den entsprechenden Lernplattformen.

5) Gremien müssen in Präsenz tagen können, Fachschaftsratsbüros sind zu öffnen. Die Arbeit in den Gremien der akademischen und studentischen Selbstverwaltung, wie beispielsweise in den Fachschaftsräten ist das konstitutive Element der demokratischen Hochschulorganisation. Dort werden die Belange der Mitglieder der Universität diskutiert und vertreten. Sie müssen in Präsenz stattfinden können, da nur so ein konstruktiver Austausch möglich ist.
Bei der Gestaltung der Öffnung der Hochschulen wollen wir gerne durch unsere Gremienarbeit mitwirken, wir fordern Sie ebenfalls dazu auf. Um gemeinsam zu beraten und zu diskutieren, wie wir unserer Verantwortung als Hochschulen in dieser Zeit gerecht werden können bitten wir Sie um ein zeitnahes Gespräch.

Mit freundlichen Grüßen
Fachschaftsrat Erziehungswissenschaft (UHH)
Fachschaftsrat Lehramt (UHH)
Fachschaftsrat Soziale Arbeit (HAW)
Fachschaftsrat Sozialwissenschaften (UHH)
Fachschaftsrat Sozialökonomie (UHH)
Fachschaftsrat des Hochschulübergreifenden Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen (HWI)

Stellungnahme zum Entwurf eines neuen Hochschulgesetzes

Die Krise der Hochschulen ist durch die Einschränkungen der Mitbestimmungsmöglichkeiten ausgelöst worden. Besonders schädlich waren dabei auch die Einführung von Studiengebühren, die tiefgreifende Entdemokratisierung und die Durchsetzung eines restriktiven gestuften Studiensystems. Das Zusammenwirken dieser Elemente hat kein vorher bestehendes Problem gelöst, sondern die Unterfinanzierung, die Konkurrenz der Arbeitsbereiche, die Isolation und Anonymität im Studium und den sozialen Druck auf Lehrende und Lernende nur verschärft. Die Hochschulen brauchen jetzt deshalb eine zügige Rekonstruktion von Mitbestimmung, sozialer Offenheit und verbesserte Bedingungen für ein produktives und faires Miteinander.

Hochschulen kommt eine gesellschaftliche Verantwortung für eine friedliche, demokratische, sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung zu. Forschung und Lehre sollen zum gestaltenden Eingreifen in die Gesellschaft ermutigen und einer global menschenwürdigen Zivilisation dienen.

Kooperative Entscheidungsfindung auf argumentativer Grundlage als die kulturelle und strukturelle Voraussetzung für die Herausbildung und Verwirklichung emanzipatorisch eingreifender Wissenschaft muss die unternehmerische Hochschule mit ihren unproduktiven Managementstrukturen und ihrer aufreibenden Eigenverantwortungsideologie ablösen

Demokratisierung als wirklicher Bruch mit der unternehmerischen Hochschule erfordern: 

  • Die Abschaffung des Hochschulrates und die Einführung eines Konzils,
  • Die verbindliche Wiedereinführung von demokratischen Gremien auf
    Fachbereichsebene und ihre finanzielle Ermöglichung,
  • Abschaffung der Ziel- und Leistungsvereinbarungen und der „leistungsorientierten“ Mittelvergabe zugunsten einer bedarfsorientierten Mittelverteil
  • Die Stärkung der Gremien und die Rückführung von Leitungsfunktionen auf Koordinierungs- und Sprecher*innenfunktionen,
  • Ein Absehen von Zwangsexmatrikulation und Zwangsfristen zur Ermöglichung kontinuierlicher demokratischer Beteiligung aller,
  • Die kombinierte Zulassung zu Bachelor und Master und die Ermöglichung der Rückkehr zu klassischen Studiengängen (Diplom, Magister, Staatsexamen)
  • Die Abschaffung der Verwaltungsgebühren,
  • Das politische Mandat der Verfassten Studierendenschaft und die Stärkung der FSRe,

Dafür ist ein demokratisches Gesetzgebungsverfahren mit öffentlichen Diskussionsforen und Anhörungen der Hochschulen und Gewerkschaften unabdingbar!

Diesen positiven Vorhaben wirken die Kürzungspläne des Hamburger Senats mit der Streichung von Professuren und Studienanfängerplätzen direkt entgegen. Begründet wird das weiterhin dogmatisch mit der Schuldenbremse – sie ist irrational und perspektivlos, weil der Mensch in seiner Entwicklung eingeschränkt wird. Die Schuldenbremse ist daher sofort zu lösen.