Ich möchte Student sein, um mir einmal an Hand einer Wissenschaft langsam klarzumachen, wie das so ist im menschlichen Leben.
Kurt Tucholsky, „Ich möchte Student sein“ , 1929

Wissen schafft Menschlichkeit
Eine Woche freier sein in den Entscheidungen, zwangloser und kritisch mit selbstgewählten Themen beschäftigen – eine Alternative zur Alternativlosigkeit!
Die Projektwoche kann von allen interessengeleitet erfahren und mitgestaltet werden. Darin schaffen wir einen Rahmen zum Lernen und Austauschen in der Hochschule ohne Restriktionen und Zwang. Gegen die Hetze des Alltags gibt es hier eine Möglichkeit, sich anderen Themen zu nähern und offen darüber zu diskutieren. Die Befähigung der Menschen, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu formulieren, wird häufig in Leitbilder vieler Einrichtungen der Sozialen Arbeit geschrieben. Doch erfüllen sie diesen humanistischen Anspruch?
„Humanismus [lat.] – allgemein: Streben nach Menschlichkeit (Humanität) und menschenwürdiger Daseinsgestaltung: Gesamtheit jener Ideen und Strebungen in der Geschichte der Menschheit, die auf der Überzeugung von Bildungs- und Entwicklungsfähigkeiten des Menschen, auf die Achtung seiner Würde und Persönlichkeit beruhen und die auf die allseitige Ausbildung, die freie Betätigung und Entfaltung seiner schöpferischen Kräfte und Fähigkeiten sowie auf die Höherentwicklung der menschlichen Gesellschaft […] gerichtet ist.“ Marxistisches-Leninistisches Wörterbuch der Philosophie, 1972
Die Höherentwicklung der menschlichen Gesellschaft entsteht nur durch das Durchdringen und den Austausch mit anderen. Will man sich jedoch aktuell mit einem Thema tiefer befassen, ist etwa im Studium weder die nötige Zeit noch die kritische Diskussion im Studienplan vorgesehen. Durch die Beschränkungen des Bachelor/Master-Systems in dem Lernprozesse in Module gepresst und Lehrveranstaltungen eng getaktet den Studienalltag bilden, wird die Möglichkeit genommen, realitätsnahe und aktuelle Themen nicht nur an der Oberfläche zu bearbeiten. Statt zu hinterfragen und gemeinsam Alternativen zum Bestehenden zu entwickeln, ist meist die nahegelegte Frage „Ist das Prüfungsrelevant?“
Dagegen bietet die Hochschule einen Raum, die Realität zu analysieren, Schwächen und Fehler im System zu erkennen und daraus Schlüsse ziehen zu können. Als Fachschaftsrat wollen wir einige dieser Themen kritisch aufgreifen.
So ist die Kirche bis heute einer der größten Arbeitgeber im sozialen Sektor mit und durch staatliche Finanzierung und besitzt trotzdem einen eigenen Rechtsraum. Welche Auswirkung hat diese Entwicklung auf ein konfessionsunabhängiges Arbeitsfeld? Ist Reflexion und Hinterfragen des „Humankapitals“ in einer unterfinanzierten Hochschule oder gekürzten sozialen Einrichtungen überhaupt gewollt? Mit der filmischen Darstellung des absurden Alltags versuchen wir diesen humoristisch aufzubrechen und zur Diskussion zu stellen.
Ist das „gottgegebene“ Bachelor/Master-System, die schlechten Arbeitsbedingungen und das soziale Elend unter dem politisch auferlegten Kürzungszwang mit unserem Menschenbild im Sinne einer humanistischen Entwicklung vereinbar? Wir laden euch ein in den verschiedenen Veranstaltungen darüber zu diskutieren.
Montag, 04.05., 12:00 – 14:30 Uhr, Raum ZG 10
Star Trek IX – Der Aufstand. Unrecht verhindern durch Lernen aus der Geschichte
Film und Diskussion
Picard: „Wieviele Menschen sind nötig Admiral, bevor aus „Recht“ Unrecht wird?“
Aus der Geschichte wissen wir, dass häufig das Wohl anderer Menschen vorgeschoben wird, um die Gier einzelner zu verschleiern. Nachdem wir uns gemeinsam den Film angesehen haben, möchte ich dazu einladen, über die geschichtlichen Hintergründe, auf die sich dieser Film bezieht, zu diskutieren. Was bedeutet die „erste Direktive“?
Dienstag, 05.05., 10:00 – 11:30 Uhr, Raum 2.08
Praktikum im Wandel
Vortrag und Diskussion mit Herma Tewes
Das studienintegrierte Praktikum ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Im Studienverlauf bildet es ein Nadelöhr und bringt viele Studierende und KollegInnen aus den Praxisstellen in zeitliche und materielle Nöte.
Wie das Praktikum in der heutigen Form entstanden ist, welche Konzepte ihm zugrunde liegen und welche Probleme und Schwierigkeiten aber auch Möglichkeiten es damit gibt, wollen wir nach einem Einführungsvortrag von Frau Tewes diskutieren und daraus Überlegungen für Verbesserungen fassen.
Herma Tewes ist im Zentralen Praktikumsbüro Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um das Praktikum im Studiengang Soziale Arbeit.
Dienstag, 05.05., 17:30 – 20:00 Uhr, Raum: Kontrabar (R. 0.15)
Herrliche Zeiten? Die Absurdität des Alltags!
Film und Diskussion
„Tatis herrliche Zeiten“ (Originaltitel: Playtime) spielt in den 1960er Jahren und zeigt ein Paris, welches von einem futuristischen Modernitätswahn geprägt zu sein scheint: Gebäude aus Stahl und Glas, Großraumbüros und seltsam anmutende Ausstellungsobjekte verdrängen den eigentlichen Charakter und die Kultur der Stadt. Inmitten dieses entfremdeten Paris wandelt Monsieur Hulot unbeholfen, neugierig, gutmütig und erstaunt über das, was sich ihm an diesem Tag alles eröffnet.
Wir möchten uns mit ihm auf die Reise begeben und diesen Film als Ausgangspunkt nutzen, um unsere eigene Wirklichkeit zu hinterfragen. Spielt sich die im Film gezeigte Absurdität nicht schon längst in der Realität ab?
Wir laden herzlich dazu ein diese Frage zu diskutieren!
Mittwoch, 06.05., 14:00 – 16:00 Uhr, Raum 2.08
Schuldenbremse: Der ökonomische Unsinn
Vortrag und Diskussion mit Heinz-Josef Bontrup
Die Schuldenbremse ist für Sie/Dich ein Buch mit sieben Siegeln? Das muss nicht sein!
Prof. Dr. Bontrup, Sprecher der Arbeitsgruppe „Alternative Wirtschaftspolitik“, hält einen kurzen Vortrag zur Einführung in die Thematik.
Danach erwartet uns, zusammen mit ihm, ein kritischer und spannender Austausch, mit der Möglichkeit eine veränderte Zukunftsperspektive zu entwickeln und bessere Argumente für den Kampf gegen die Kürzungspolitik zu finden.
Freitag, 08.05., 10:00 – 12:00 Uhr, Raum 2.08
Soziale Arbeit – für Gott oder die Menschen?
Vortrag und Diskussion mit Berno Schuckart-Witsch
Die christliche Kirche ist einer der größten Arbeitgeber im sozialen Sektor. Wenn es an die Arbeitssuche geht, kommt man oftmals nicht am Thema „Kirchlicher Träger“ vorbei. Verordnete Moralvorstellungen, Zugangsbeschränkungen und eingeschränkte Arbeitnehmerrechte stehen im Widerspruch zur proklamierten „Nächstenliebe“. Zur Durchsetzung dieser überholten Beschränkungen garantiert der Staat den beiden christlichen Kirchen einen eigenen Rechtsraum, in dem sie selbst als Gesetzgeber und Richter auftreten. Obwohl die Soziale Arbeit – auch der kirchlichen Träger – wesentlich aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, dominieren konfessionelle Einrichtungen den „sozialen Dienstleistungssektor“.
Angesichts dieser Missstände – insbesondere für die Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, – greifen auch Gewerkschaften diesen Sonderstatus an und streiten für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Nach einem Einführungsvortrag von Berno Schuckart-Witsch (ver.di Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen) wollen wir gemeinsam über dieses Thema und Konsequenzen diskutieren.