Dressur zur Mündigkeit? Über die Verletzung von Kinderrechtenin der Heimerziehung

Liebe Kommiliton:innen,

hiermit laden wir euch herzlich zur Buchvorstellung Dressur zur Mündigkeit? Über die Verletzung von Kinderrechtenin der Heimerziehung ein, am Dienstag, den 11.02.2020, von 18:30 – 21:00 Uhr (Einlass ab 18:00 Uhr im Lichtmess-Kino (Gaustraße 25):

 „Es ist momentan noch offen, ob sich die Soziale Arbeit wieder verstärkt ‚in die Richtung einer Überwachungs- und Sicherungskultur zur Kontrolle, Ausgrenzung und Verfolgung problembeladener, armer und benachteiligter Randschichten der Bevölkerung und ihrer Kinder‘ entwickelt, oder „in die Richtung der Förderung ganzheitlicher, vielseitiger und pro-aktiver demokratischer Hilfesysteme, die mit Blick auf das Kindeswohl, das Eltern- und Familienwohl und das Gemeinwohl eine solidarische Kultur des Aufwachsen ermöglichen.“  (Reinhart Wolff, 2012)

Im Herbst 2018 fand in Hamburg das Tribunal über die Verletzung von Kinderrechten in der Heimerziehung statt. Dort haben Vertreter:innen aus Wissenschaft, Gewerkschaft, Praxis und Betroffene deutlich gemacht: Auch gegenwärtig werden Disziplinierungs- und Degradierungstechniken in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe angewandt.

Diese sind keine Ausnahmefälle, sondern ein Hinweis auf allgemeine Entwicklungstendenzen, welche eine wachsende Kultur der Kontrolle ebenso nachvollziehen, wie die Normalisierungserwartung im aktivierenden Staat. Zugespitzt bildet sich dies in behavioristisch geprägten Methodiken der Verhaltensmodifikation ab, z.B. die des sogenannten „Stufenvollzuges“ oder „Phasenmodells“. Die jungen Menschen werden hier zu Objekten der Erziehung gemacht und müssen vermeintlich erst „befähigt“ werden, um das Recht auf Teilhabe in der Gesellschaft zu erlangen: Voraussetzung ist die konforme Teilnahme innerhalb des Sondersystems.
Die wachsende Fokussierung auf individuelle Defizite und damit verbundene Verantwortungszuschreibung auf das Individuum drängen in den Hintergrund, was für eine kritische Soziale Arbeit konstituierend ist: der Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse und die Lebenswelten der Menschen darin.

Im Rahmen der Vorstellung des Ende 2019 erschienenen Sammelbands zum Tribunal wollen wir daher mit einigen der Autor:innen diskutieren:

Welche gesellschaftlichen Entwicklungen und sozialpolitischen Programmatiken befördern das Revival autoritärer Tendenzen und Ansätze in der Kinder- und Jugendhilfe? Wie können wir verhaltensmodifizierende Ansätze überwinden? Welche Praxis stellen wir diesen entgegen?

Dabei werden auch Ausschnitte aus der filmischen Dokumentation des Tribunals gezeigt.

Programm:

1. Begrüßung und Einleitung
Herausgeber:innen des Buches
2. Filmausschnitte aus dem Tribunal
Pause -15 Minuten
3. Podiums- Gespräch & Statements:
Tilman Lutz:
Fach- und sozialpolitische Kontexte
Fabian Fritz:
Ordnungspolitik und Soziale Arbeit.
Zum Verhältnis stationärer Wohngruppen
der Heimerziehung und der Polizei
weitere Autor:innen sind angefragt
4. Diskussion & gemeinsamer Ausklang
vor Ort gibt es die Möglichkeit an einer Bar Getränke zu erwerben

Viele Grüße
euer Fachschaftsrat