Projektwoche WiSe 15/16

Wie jedesmal haben Studierende zusammen mit Lehrenden eine Woche frei Veranstaltungen nach selbstgesetzten Themen organisiert. Diesesmal steht das Thema Flucht im Fokus.

Mittwoch, 25.11.15, 15:00 – 17:30 Uhr, Kontrabar (R.0.15)
„Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört“
Zur Überwindung der Fluchtursachen aus der Wissenschaft
Diskussionsveranstaltung mit dem Sozialwissenschaftler Prof. Dr. phil. Richard Sorg

„Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.“
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN (1948), Artikel 22

Ob im Fahrgastfernsehen, in den Schlagzeilen der üblichen Zeitungen oder im Internet, fast überall wird die „Flüchtlingskrise“ propagiert. Medial soll das Bild vermittelt werden, eine „Flüchtlingsbewegung“ würde unerwartet wie eine Welle über uns schwappen, die unsere Sozialstrukturen zu überlasten drohe. Politiker streiten, ob „wir das schaffen“ oder eben nicht – was genau, bleibt unklar. Das wirft viele Widersprüche auf: Offensichtlich versuchen Menschen nicht auf lebensgefährlichen Wegen andere Länder zu erreichen, um sich hier in „unserem Sozialstaat“ bequem zu machen, sondern werden von Krieg und Armut vertrieben. Das erkennend versuchen tausende Menschen ihnen Schutz zu ermöglichen – während sich auf Staatsebene auf der ehrenamtlichen Hilfe ausgeruht wird. Bekannt ist auch, dass eben die Politiker, die dieser menschlichen Verantwortung nicht nachkommen, die Geschäfte mit Rüstung und Waffen (auch jetzt noch steigend) unterstützen. Geschäfte werden in der BRD viele gemacht – der eigentliche Reichtum ist entsprechend hoch. So ist es in Hamburg z.B. plötzlich kein Problem Millionen Euro allein auf die Bewerbung für die Olympischen Spiele zu setzen. Das irritiert: Scheint doch die langjährige Ansage an Sozial-, Kultur-, und Bildungseinrichtungen, vor Geldknappheit keine andere Wahl zu haben als alles zusammen zu kürzen, hier nicht zu gelten. Das Geld ist also da, ob in Hamburg, oder der BRD – Weltweit gilt: Kein Mensch müsste in Armut und Not leben, die Möglichkeiten zur Erfüllung des oben zitierten Anspruches der Menschenrechte sind lange da. Stattdessen wird aber die Not verstärkt, schlafen hier die Geflüchteten eingepfercht in Zelten, bekommen die überlasten HelferInnen keine Ressourcen. Das lässt erahnen, dass die eigentliche Krise ganz wo anders liegt, als in den Menschen, die hier Schutz suchen. Um an dieser Krise und die daraus resultierenden Notlagen etwas zu ändern, wollen wir den Ursachen näher auf den Grund gehen.

In der Veranstaltung wollen wir daher mit Unterstützung des Sozialwissenschaftlers Prof. Dr. phil. Richard Sorg verstehen, welche Zusammenhänge zwischen den Widersprüchen bestehen und mit einem internationalen Blick den Ursachen der oberflächlichen Erscheinungen auf den Grund gehen: Was sind die Fluchtursachen? Welche Interessen stehen hinter den Kriegen? Welche Rolle spielt Deutschland im internationalen Kontext? Und: Wie können wir aus den Wissenschaften, aus unserem Studium zu einer Überwindung des Elends beitragen?