Konzept 2015

Am 22.06. sind wir als FSR Liste Kritische Soziale Arbeit wiedergewählt worden mit dem Konzept für das Erstreiten einer lebendigen und solidarischen Studienkultur. Für Frieden und Gegen Rechts, ein menschenfreundliches Gesundheitssystem, die Abschaffung von Hartz IV, die Überwindung der prekären und bedrängten Lage der Studierenden und das Lösen der Schuldenbremse für eine bedarfsgerechte Finanzierung des Gemeinwesens. Diese Schwerpunkte wollen wir in der nächsten Amtsperiode gemeinsam mit euch verfolgen und für Verbesserungen am Fachbereich wie über die Hochschule hinaus wirken.


Konzept zur Wahl im SoSe 15

„In Europa wächst der Unmut. Und auch bei uns haben immer mehr Menschen genug von Niedriglöhnen und öffentlicher Armut in einem der reichsten Länder der Welt. Zeit für einen Kurswechsel. Für gutes Leben, für soziale Gerechtigkeit.“ DGB, Klartext, 09/2013

Wir befinden uns in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. Immer mehr Menschen wollen die steigende soziale Ungerechtigkeit, Kriege und Flüchtlingskatastrophen nicht mehr akzeptieren und drücken ihren Unmut in Protesten aus. Gegen die Ideologie der Alternativlosigkeit und die zerstörerische Austeritätspolitik richten sich große Teile der Bevölkerung in Griechenland, wie in Portugal und Spanien und fordern ein menschenwürdiges Leben für alle. Auch in Deutschland – und in Hamburg – nehmen die Streiks für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu. Denn der Widerspruch des enormen gesellschaftlichen Reichtums in den Händen einiger Weniger – und das weltweit wachsende Elend der Mehrheit der Menschen drängt auf eine Aufhebung.
In dieser Polarisierung spielen Hochschulen eine relevante Rolle. Sie können die gesellschaftlichen Schlüsselprobleme wissenschaftlich durchdringen und Lösungen hin zu einer sozialen, friedlichen und demokratischen Entwicklung erarbeiten. In den Sozialwissenschaften bedeutet das, die vermeintlich „individuellen“ Probleme einzelner Menschen als gesellschaftliche zu begreifen und anstelle einfacher „Symptombehandlung“ an die Ursachen der sozialen Ungleichheit zu gehen. Der aktuelle Hamburger Senat versteht Soziale Gerechtigkeit als die Chance eines Jeden, durch persönliche und eigenverantwortliche Leistung aufzusteigen. Diejenigen, die in diesem Konkurrenzgebalge hintenüberfallen werden als Leistungsversager und selbst Schuld an ihrem Schicksal degradiert. Gegen die geforderte Elendsverwaltung, Menschen als „Klienten“ wieder verwertbar und fit für den Arbeitsmarkt zu machen (oder sie bei Überforderung zu isolieren und gesellschaftlich auszuschließen z.B. in geschlossenen Unterbringungen), gilt es aus der Sozialen Arbeit heraus ein egalitäres Menschenbild zu vertreten und – in Überschreitung der alltäglichen Vereinzelung – organisiert eine klare Opposition entgegenzusetzen.

Vor diesem Hintergrund setzen wir uns für die Nächste Amtszeit als FSR folgende Schwerpunkte:

Soziale Lagen der Studierenden
„Studenten machen Party.“ „Studenten stehen nie vor 12 Uhr auf.“ Aussagen die heute jeder Studierende beantworten kann mit: „Schön wär’s!“ Die Realität sieht anders aus. BAföG, die UNTERSTÜTZUNG für Studierende, wird nur unter sehr strengen Auflagen vergeben. Und wird das Studium nicht nachweislich in Regelstudienzeit beendet, gibt es gar keine Förderung mehr. Dazu müssen heute 50 % zurückgezahlt werden, entgegen der Komplettförderung bei der Einführung 1971. Das gilt es wieder zu erreichen, denn aktuell bedeutet Studium für Viele: Schulden anhäufen. So versucht sich die Mehrheit der Studierenden mit einem, oft sogar mit zwei oder drei Nebenjobs über Wasser zu halten. Unbezahlte Pflichtpraktika verschärfen diese Situation noch. Alle Praktika können und sollten angemessen vergütet werden. Neben der prekären Lage hält der enorme Leistungsdruck vom wirklichen Durchdringen von Inhalten in den Seminaren ab. Mit der Reform des Hamburger Hochschulgesetz (HmbHG) wurden im vergangenen Jahr neue Möglichkeiten geschaffen, die begonnene Studienreform auszuweiten. Wie das auch schon in der Erarbeitung der neuen Prüfungsordnung mit einer Reduzierung der Prüfungen gelungen ist.

Als FSR Soziale Arbeit wollen wir zusammen mit allen Studierenden weiter für die Verbesserung der Studienbedingungen kämpfen, denn niemand ist alleine mit seinen Problemen. Unsere Themen, die wir in der nächsten Amtsperiode weiterführen wollen, sind daher:

  • Zwangsexmatrikulationen abschaffen
  • BAföG für alle
  • HVV-Tickets kostenlos
  • Praxis/Praktikums AG

Als Mensch erkannt werden und Mensch sein dürfen (Menschenbild)
„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen, körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“ (WHO)
Der römische Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph Cicero sagte: „ich möchte lieber gesund sein als reich“. Diese Erkenntnis stammt in etwa aus der Zeit im Jahr 63 vor Chr. Betrachten wir die Gegenwart, scheint diese Aussage zeitlos -vielmehr noch, sie bekommt womöglich einen immer höheren Wert.  Zu einem erfüllten Leben gehört die Möglichkeit an den gesellschaftlichen Gütern – Kultur, Bildung und Gesundheit – teil zu haben. Wir möchten uns damit auseinandersetzen wie dieser Zusammenhang allen mehr ermöglicht werden kann und was dem aktuell entgegensteht. Dazu gehört beispielsweise die Rekommunalisierung der Krankenhäuser und Perspektiven für ein besser funktionierendes Gesundheitssystem.
Grundlage aller Überlegungen  ist uns gegenseitig als Gleiche zu erkennen. In allen Bereichen findet immer wieder Vereinzelung statt- diese möchten wir aufbrechen mit Ideen der gegenseitigen Unterstützung und Hilfe._Letztlich soll es uns allen möglich sein, ein würdevolles und gesundes Leben zu führen. Das aktuelle auf Verwertung ausgerichtete Gesundheitssystem geht weit hinter diesen Anspruch zurück. Bei allem Vordringen von Wissen, Können und Wachstum besteht darin die Gefahr der inneren Verkümmerung und Verarmung. Entmenschlichung und Entfremdung möchten wir entgegentreten, indem wir die Hochschule wieder mehr zu einem Ort des kulturellen Lebens machen. Eine Filmreihe von Jacques Tati soll auf humorvolle Art verdeutlichen wie eine Welt des Fortschrittwahns aussieht: ohne Seele, fehlende geistige Interessen und dem Verdrängen einer anteilnehmenden und ehrlichen Gefühlskultur.

Für die Überwindung von Harz 4
Auch in Hamburg wächst der Unterschied zwischen Superreichen und Menschen mit extremer Armut. Die Einführung des „Fordern und Förderns“-Prinzips sollte diese Entwicklung ideologisch rechtfertigen. „Jeder sei seines Glückes Schmied“ und müsse „der Gesellschaft etwas zurückgeben“. Nicht die Arbeitslosigkeit, soziale Isolierung und Entmutigung sind das gesellschaftlich zu überwindende Problem, sondern der Mensch selbst wird zum Problem gemacht. Dieser „Sozialschmarotzer“ soll dann durch Sanktionen gezwungen werden, für die sozialstaatliche Unterstützung eine Gegenleistung zu erbringen. Persönliche Präferenzen, Freude an der Arbeit, gemeinsame Weiterentwicklung finden keine Beachtung. Dagegen profitieren viele Unternehmen von der existenziellen Armut. Denn mit den Hartz-Reformen hat sich der Niedriglohnsektor in Deutschland stark vergrößert. Abstiegsängste werden geschürt, keiner will in Harz 4 „rutschen“ und bemüht sich, auf der Arbeit besonders fleißig und brav zu sein. Denn sonst droht die Kündigung – das Heer von Arbeitslosen steht (unfreiwillig) bereit, dazu gedrängt den frei werdenden Job für noch weniger Bezahlung zu übernehmen. Selbst wenn das bedeutet, für 1€ Müll zu sammeln. Jeder von uns hat täglich mit Menschen zu tun, die frustriert von der Bürokratie und ohne Hoffnung auf ein besseres Leben, damit beschäftigt sind irgendwie „über Wasser zu bleiben“. Kulturelle Bildung, Konzerte, Kino, Essen gehen, selbst die Fahrkarte ins Stadtzentrum, alles Dinge, die mit ALG II nur schwer finanzierbar sind. Armut ist nicht nur ein Mangel an Gütern, sondern auch an Möglichkeiten.
Der Fokus in der Sozialen Arbeit liegt hier auf der Beibehaltung der Funktionalität von Hartz 4, für die Frage ob es überhaupt sinnvoll ist, ist oftmals kein Raum.
|Wir wollen im nächsten Semester eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Hartz 4 und Armut“ machen und uns kritisch mit diesem Thema auseinandersetzen.
Dazu laden wir euch alle herzlich ein um gemeinsam Ideen für eine bessere und gerechtere Welt zu entwickeln!

Lernen aus der Geschichte – Gegen Rechts und für Frieden
„Die einzige Antwort auf Auschwitz ist, selber das Richtige zu tun“ lautet die zentrale Aussage in dem Film „Im Labyrinth des Schweigens“, den wir in der nächsten Amtsperiode zeigen wollen. Aus der Geschichte lernen, um heute das Nie Wieder zu leben und für die Verwirklichung des Schwures von Buchenwald einzutreten. Das sollte Sinn und Zweck einer Hochschule als Ort der Höherbildung der Menschheit sein. Wir wollen uns angesichts von 70 Jahren Befreiung und den noch unerfüllen Hoffnungen und Lehren nach einer Welt des Friedens und der Freiheit mit dem Widerstand im 3. Reich beschäftigen und welche Bedeutung diese Kämpfe für heute haben – z.B. mit der mutigen Aufklärung der Weißen Rose. Außerdem wollen wir diese Amtsperiode beginnen, anhand der vorhanden Dokumente und über Zeitzeugen die Geschichte der HAW und insbesondere des Fachbereis Soziale Arbeit aufzuarbeiten. Gerade aus den Zeiten der 60/70er, über Friedensbeschlüsse im Hochschulsenat bis hin zu einer stärker ausgeprägten Friedenspädagogik, können wir Einiges aktualisieren.

Solche Verbesserungen, die Weiterführung der Demokratisierung in unserem Fachbereich (z.B. in der Einführung des Departmentsrats) und darüber hinaus, sowie das Umkrempeln des Ba/Ma-Systems hin zu einem egalitären  Lehr-Lern-Verhältnis und kritischen Wissenschaftsinhalten (über die Projektwoche hinaus) benötigen zur Verwirklichung ausreichend finanzielle Ressourcen. Gegen die aktuelle Verteilung des Senats nach Verwertbarkeitskriterien müssen die Prioritäten neu gesetzt werden: Nach den Bedürfnissen der Bevölkerung, was Bildung, Soziales, Kultur und Gesundheit angeht. Denn Geld ist genug da. Erfordernis: Schuldenbremse lösen. Dafür wollen wir dem Senat weiter Druck machen und uns so für eine gemeinsame und offensive Beantwortung der aktuellen Mangelverwaltung einsetzen.

Als FSR sind wir die Interessenvertretung der Studierenden eines Fachbereichs. Wir vertreten zwei Studiengänge: Soziale Arbeit & Bildung und Erziehung in der Kindheit. Hier können sich Studierende organisieren, um sich über Fragen und Probleme im Fachbereich auszutauschen, sowie sich über die Verhältnisse an der Hochschule und in der Welt kritisch zu verständigen und gemeinsam Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Gemeinsam schaffen wir gegen die vielerorts praktizierte Kultur des Misstrauens eine Kultur der Solidarität und Anteilnahme. Alle sind eingeladen, sich daran zu beteiligen!