Wann: 01.04.14, 16 Uhr,
Wo: Berliner Tor 7, Raum 360
„Das Bewusstsein unserer Polizei, die Wissenschaftsfreiheit des Grundgesetzes zu achten, wurde ebenso geschärft wie die Bereitschaft der Wissenschaft, die fachlich-praktischen Belange der Polizei als alleinigem Arbeitgeber der Bachelorabsolventen sehr ernst zu nehmen.“
Michael Neumann, Gründungsfestakt der Akademie der Polizei Hamburg, 14.10.2013
„Es ist nicht die Aufgabe des Bildungssystems, der Wirtschaft Arbeitskräfte zuzuführen. Dabei werden Nutzen und Sinn verwechselt. Eine solche Gesellschaft würde kulturell versteppen.“
Richard David Precht, „Schnelle Geschäfte, miese Moral“, im Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“, 28.11.2010
Die Wissenschaftsfreiheit wurde 1949 aus der Erfahrung zweier Weltkriege im Grundgesetz (Art. 5) verankert. Die Hochschulen erhielten damit den bis heute geltenden Auftrag mit dafür Sorge zu tragen, dass „nie wieder Faschismus“ und „nie wieder Krieg“ für alle Zeiten Geltung haben.
Im Streit, ob sich dafür das Bildungssystem strikt an den Anforderungen der Arbeitgeber orientieren oder die allseitige Bildung mündiger Menschen im Zentrum stehen soll, wird Praxiskonformität zwar vielfach als unwissenschaftlich, aufreibend und qualifikationszerstörend erkannt und kritisiert, aber als scheinbar notwendiges Übel hingenommen.
Gleichzeitig wird immer unabweisbarer, dass gerade die Akzeptanz von Übeln dieser Art Teil der Zivilisationskrise ist und durch eine engagiert humanistische Praxis in Wissenschaft und Gesellschaft ersetzt werden muss.
Trotzdem sollen diese Vorhaben seit einigen Jahren stärker behindert werden: Die inzwischen weggekämpften Studiengebühren waren auf soziale Selektion und die Einengung der Studierenden durch die finanzielle Daumenschraube gerichtet.
Dagegen war und ist weiterhin die vertiefte Auseinandersetzung mit den großen Widersprüchen unserer Zeit, z.B. zwischen privatem Reichtum und öffentlicher Armut, technologischem Fortschritt und der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen oder Frieden und Militarisierung notwendig.
Auch das weiterhin stark reformbedürftige Bachelor-/Mastersystem mit seinem engen Korsett von Fristen, Prüfungen und inhaltlichen Vorgaben soll alle durch verschärfte Konkurrenz und Bravheitsverordnungen daran hindern kritische Erkenntnisse solidarisch zu verallgemeinern.
Doch kritische Reflektion und Weiterentwicklung der Praxis ist stattdessen für eine erfreuliche Zukunft unverzichtbar.
Ist vor diesem Hintergrund Praxiskonformität weiter vonnöten oder sollen wir uns mehr einem kritischen Praxisbezug widmen? Wie lässt sich dieser Streit an einem zugespitzten Fall des studentischen Bravsein-müssens wie einem Studium an einer Hochschule der Polizei besser verstehen? Diese und andere Fragen wollen wir mit euch versuchen zu klären.
Ihr seid/Sie sind alle eingeladen, mit zu diskutieren.
Diskussionsveranstaltung mit
Thomas Wüppesahl, Bundessprecher BAG Kritische Polizisten, Ex-MdB, Ex-Fachbereichssprecher der Hochschule für Polizei Hamburg und
Prof. em. Karl-Georg Schreiner, Politologe, 20 Jahre Professor für Staatsrecht an der Hochschule für Polizei Hamburg
bei Fragen wendet euch an: Eric.Recke@asta.haw-hamburg.de
